"Wasserreich Ostfriesland: Von Kanal-Königen und Freizeitkapitänen"

Reportage von Franziska Voigt

Mediathek: Online verfügbar bis 29.01.2022, 20.15 Uhr, ARD Mediathek; Sendetermin: Fr, 29.01.2021, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung 60 min-Fassung)

Kaum eine Region in Norddeutschland dürfte so von Wasser geprägt sein wie Ostfriesland. Eingerahmt von der Nordsee, das Binnenland durchzogen von unendlich vielen Wasseradern. Eingedeichtes, von Menschenhand gemachtes Land, dem Meer abgetrotzt. Hier gibt es Tiefs und Schloote und die großen Binnenseen werden Meere genannt.

Das Wasser prägt nicht nur die Landschaft, sondern auch die Menschen. Für viele OstfriesInnen sind Kanäle, Flüsse und Schleusen ihr Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt. Die Reportage ist unterwegs auf den facettenreichen Wasserwegen Ostfrieslands, erzählt die Geschichten unterschiedlicher Menschen, deren Leben vom Wasser geprägt ist, und zeigt die Landschaft in opulenten Bilderstrecken.

Der Schöpfwerkmeister von Knock
Matthias Kurtz lebt und arbeitet nach dem Wetter und den Pegelständen. Er ist Schöpfwerkmeister in Knock an der Ems und wacht über die Wasserstände in einem rund 49.000 Hektar großen Gebiet. Weil das eingedeichte Land tiefer liegt als der Meeresspiegel, würde es bei Regen volllaufen. Damit es keine Überschwemmungen gibt, wird über das Schöpfwerk Wasser aus den Kanälen und Tiefs in die Unterems gepumpt.

Matthias Kurtz bedient vier riesige Pumpen, die zusammen 60.000 Liter Wasser pro Sekunde bewegen können. Bei Starkregen muss er sogar nachts ran. "Man lebt diesen Job irgendwann", sagt er. In den Sommermonaten müssen die Pumpen gewartet werden. Eine aufwendige Aktion, für die Matthias Kurtz Hilfe von den Emder Hafentauchern braucht.

Die "Kanal-Königinnen" von Greetsiel
Das schmucke Fischerdorf Greetsiel lässt sich am besten vom Wasser aus erkunden, denn es ist von vielen Grachten durchzogen. Auf Kanälen kann man sogar bis in die Dörfer der Krummhörn fahren. Corinna Dreessen führt den einzigen Bootsverleih mit acht Schiffsführenden und 40 Booten. Besonders begehrt sind die Fahrten mit ihren Ausflugsschiffen. In der Hochsaison, wenn das Personal knapp wird, packt Tochter Lara mit an und wagt ihre ersten Einsätze als Schiffsführerin.

Der Schleusenwärter vom Elisabethfehnkanal
Der Elisabethfehnkanal ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als in Ostfriesland Torf abgebaut und über die schnurgeraden Kanäle verschifft wurde. Heute sind auf dem Kanal nur noch FreizeitkapitänInnen unterwegs. Und ohne Schleusenwärter Stefan Strauch geht hier gar nichts, weil sieben Klappbrücken und vier Schleusen bedient werden müssen, damit die Boote passieren können. Um acht Uhr klappt er die erste Brücke hoch, dann begleitet er die Skipper durch "seinen" Kanal. Wenn im Sommer viele Boote unterwegs sind, wird es in der Schleuse eng. "Manche werden dann nervös, weil sie Angst um ihr teures Boot haben!"

Die letzte handgezogene Fähre
Seit über 450 Jahren setzt eine ganz besondere historische Fähre in Wiltshausen bei Leer über die Jümme: Die "Pünte" ist die letzte handgezogene Wagenfähre Europas und wird an einem speziellen Drahtseilsystem mit der Hand über den Fluss gezogen. Ein Knochenjob für den Fährmann Oliver Grensemann und seinen Kompagnon Kevin. Denn alle, Radfahrer*innen, Oldtimer-Fahrer*innen und sogar Reiter*innen, wollen mit der kleinen "Pünte" über den Fluss.

 

 

Text: NDR

Fotos: © NDR/AZ Media/Franziska Voigt

Produktion: AZ Media

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Siehe auch: WASSERREICH OSTFRIESLAND