Das 28. Internationale Filmfest Oldenburg mit mutigen Debüts und Weltpremieren

15. bis 19.09.2021, Oldenburg

Das 28. Internationale Filmfest lädt ab dem 15. September zu einer fünftägigen Reise durch das junge, unabhängige Kino ein. Neben der Eröffnungsgala in der Kongresshalle und der Abschlussgala im Staatstheater werden in Spielorten der Huntestadt, wie dem Casablanca Kino oder dem Cine k, Perlen des Independent Films präsentiert. „Wir alle haben in den Monaten der Pandemie viel gelernt“, so Festivalleiter Torsten Neumann, „jetzt ist es an der Zeit, bei der verantwortlichen Umsetzung von Sicherheitskonzepten Begegnungen wieder in den Mittelpunkt solcher Maßnahmen zu stellen.“

Zusätzlich werden einige der letztjährigen Neuerungen eine Fortsetzung finden, wie die Zusammenarbeit mit Pantaflix, um auch digitale Screenings anzubieten. Die im vergangenen Jahr so erfolgreichen Wohnzimmer-Galas werden ebenfalls erneut stattfinden. „Mit den Wohnzimmer-Galas ist ein Format entstanden, das die enge Verbindung zwischen Festival und seinen Fans so schön wie kaum etwas anderes dokumentiert. Und in diesem Jahr wird es dann hoffentlich auch möglich sein, mit den Stars nicht nur digital zu kommunizieren, sondern sie direkt mit nach Hause zu den Filmfreunden zu nehmen!“, so Neumann. Mit dem gerade eröffneten CORE geht das Festival darüber hinaus eine neue Partnerschaft ein und schafft ein Festivalcenter im Herzen der Stadt, um die Energie von realen Begegnungen neu zu entfachen.

Eröffnung mit LEBERHAKEN

Leberhaken © Hello Moment Productions
Leberhaken © Hello Moment Productions

Eröffnet wurde das 28. Filmfest Oldenburg mit einer von zahlreichen Weltpremieren. In einer feierlichen Gala-Premiere läutete Torsten Rüthers Regiedebüt, einzigartig in seiner Entstehungsgeschichte mitten im ersten Corona Lockdown, das Festival in Anwesenheit von Regie, Darstellern, Produktion und weiteren Gästen ein. Der Film erzählt die Geschichte einer Nacht und zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Neben Hardy Daniel Krüger und Luise Großmann konnte Rüther auch hinter der Kamera faszinierende Könner ihres Fachs für den Film gewinnen. Mit Kameramann Maher Maleh wurde ein einmaliges Konzept zur Umsetzung des Films entwickelt. Mit zwei Kameras wurde in drei Nächten die Story jeweils vom Anfang bis zum Ende quasi in Echtzeit gedreht, nachdem vorab intensive Proben mit den Darstellern stattfanden. Die Chicks, unter dem Namen Dixie Chicks zu Weltruhm gekommen, steuerten gleich drei Songs zum Film bei und Dominic Miller, seit 30 Jahren Gitarrist bei Sting, komponierte nach einer Vorführung des Rohschnitts den Titelsong.

Zahlreiche Premieren und Debütfilme

ALS SUSAN SONTAG IM PUBLIKUM SASS
ALS SUSAN SONTAG IM PUBLIKUM SASS

Das Programm des diesjährigen Filmfest zeichnet sich auch in diesem Jahr durch eine beeindruckende Vielfalt aus. Zu den Programmhighlights gehören eine Vielzahl an Weltpremieren wie THE PASHA (Josie Maynard), SWING (Michael Mailer), WHAT HAPPENED TO THE WOLF (Na Gyi), BOROWSKI UND DER GUTE MENSCH (Ilker Çatak) oder der kraftvolle Neo-Western THE LAST VICTIM als Regiedebüt von Naveen A. Chathapuram.

Der nordmedia-geförderte Hybridfilm ALS SUSAN SONTAG IM PUBLIKUM SASS (RP Kahl) feiert ebenfalls seine Weltpremiere auf dem Festival. In dokumentarischer Form diskutiert das Projekt den aktuellen Diskurs über die Gleichberechtigung von Frau und Mann mit experimentellen und performativen Mitteln. Die zweite nordmedia-geförderte Weltpremiere auf dem Festival ist der TATORT: TYRANNENMORD (Christoph Stark). Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Oberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz) suchen einen verschwundenen Internatschüler. Während der Ermittlung erweist sich der Fall von höchster politischer Brisanz.

TATORT: TYRANNENMORD © NDR/Cinecentrum/Marc Meyerbröker
TATORT: TYRANNENMORD © NDR/Cinecentrum/Marc Meyerbröker

Das Festival heißt in der kommenden Ausgabe auch Filmemacher zurück, die mit ihren Filmen bereits auf dem Filmfest Oldenburg vertreten waren. Seymour-Cassel-Award-Gewinnerin Patrycja Planik wagt nach ihrer Hauptrolle in LILLIAN gemeinsam mit Schauspielerkollege Dominik Krawiecki mit FAGGOTS den Schritt hinter die Kamera. 2016 präsentierte Jack Fessenden mit nur 16 Jahren sein Regiedebüt STRAY BULLETS auf dem Festival. Mit FOXHOLE stellt er nun seinen zweiten Spielfilm vor, der 36 Stunden in drei verschiedenen Kriegen abdeckt.

Mit der Deutschlandpremiere von PIG (Michael Sarnoski) kehrt Oscarpreisträger Nicolas Cage, der 2016 in Oldenburg mit einem Tribute and Walk of Fame Star ausgezeichnet wurde, auf die Leinwand zurück. Mit MAD GOD stellt der legendäre Effekt-Künstler Phil Tippet einen experimentellen Stop-Motion-Film vor, der 30 Jahre für die Fertigstellung benötigte. Nach ihrem erfolgreichen Debut RAW präsentiert Julia Ducournau ihren zweiten Spielfilm TITANE, der Genrekonventionen aus den Angeln hebt. In der Weltpremiere von SOUTH OF HEAVEN (Aharon Keshales) wird das Spiel mit Genres fortgesetzt.

Retrospektive ehrt Ovidio G. Assonitis

Who Saw Her Die © Ovidio G. Assonitis
Who Saw Her Die © Ovidio G. Assonitis

Mit dem Produzenten und Regisseur Ovidio G. Assonitis ehrt das diesjährige Festival einen authentischen und unabhängigen Geist, dessen Filme Fans und Cineasten als »Guilty Pleasure« feiern und viele Filmemacher inspiriert haben. Assonitis ist in Alexandria geboren, in Griechenland aufgewachsen, lebt nun in Italien und sagt von sich selbst: "I am a real 100% Independent Filmmaker. Everything started from my desk and ended at my desk". Die Retrospektive ehrt sein filmisches Schaffen mit Vorstellungen der Filme WHO SAW HER DIE (ITA 72, Regie: Aldo Lado / Produzent: Ovidio G. Assonitis), BEYOND THE DOOR (ITA/USA 74, Regie: Ovidio G. Assonitis, Robert Barrett), TENTACLES (ITA 77, Regie: Ovidio G. Assonitis), THE VISITOR (ITA 79, Regie: Giulio Paradisi / Produzent: Ovidio G. Assonitis), MADHOUSE (ITA 81, Regie: Ovidio G. Assonitis) und PIRANHA 2 -THE SPAWNING (USA 81, Regie: James Cameron / Produzent: Ovidio G. Assonitis). Während der Festivaltage wird Assonitis in Oldenburg zu Gast sein.

 

Abschlussgala: Closing Night Film und Live-Konzert

The Maestro © Somtow Sucharitkul
The Maestro © Somtow Sucharitkul

Mit der Weltpremiere des thailändischen Spielfilms THE MAESTRO von Paul Spurrier und Somtow Sucharitkul feiert das Internationale Filmfest Oldenburg eine spektakuläre Rückkehr zur Kultur als weltweit verbindende Kraft. Komponist und Dirigent Somtow Sucharitkul wird mit seinem preisgekrönten thailändischen Jugendsymphonieorchester, der Siam Sinfonietta, ein Galakonzert im Schulterschluss mit dem Bremer Jugendsymphonieorchester geben und damit der Film-Aufführung einen glanzvollen Rahmen verleihen.