"Land zwischen Oderhaff und Newa (2): Von Kaliningrad bis Riga"

Dokumentationsreihe von Manfred Schulz

Sendetermin: So, 12.07.2020, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen

Jenseits der polnischen Ostseeküste liegen die noch jungen baltischen Staaten am Meer, davor die russische Exklave Kaliningrad. Jahrzehntelang vom Eisernen Vorhang abgeschottet, verbindet sie die gemeinsame Vergangenheit, geprägt vor allem vom Leben und Überleben an der Küste, von Schifffahrt und Handel. Wohlhabende Städte wie Königsberg, Memel oder Riga wuchsen daraus hervor, weltoffen und reich an Kultur. Lange Zeit verbotene Traditionen und vergessene Bräuche dürfen in Litauen, Lettland und Kaliningrad wieder gelebt werden. Dieser Film des Dreiteilers LAND ZWISCHEN ODERHAFF UND NEWA begegnet ihnen und den Menschen in der vom Baltischen Meer geprägten Welt.

Das erste Ziel: Baltijsk (Pillau). Jahrzehntelang war die Stadt Sperrgebiet und ist noch heute Hauptstützpunkt der russischen Baltischen Flotte. Dahinter liegt die ehemalige Kornkammer Ostpreußens. Ein junger Landwirt aus Niedersachsen kämpft dort gegen Dornenbüsche an. Die Gebietshauptstadt Kaliningrad putzt sich langsam heraus und setzt dabei auf ihre Wurzeln: 700 Jahre Königsberger Geschichte, von den Sowjets fast ausgerottet. Die Seebäder an der Küste haben ein anderes Problem: Die Ostsee hat ihnen den Sand geraubt. Küstenschutz gab es zur Sowjetzeit kaum. Dafür wird hier 90 Prozent der Weltproduktion an Bernstein abgebaut.

Tilsiter Käse, das russische Nostalgiegetränk Kwas, Trakehnerpferde: Nicht weit davon ist das alte Memelland, heute halb russisch, halb litauisch. Hier leben Hilde und Walter wie früher ohne Wasser und Strom.

Die Kurische Nehrung mit ihren atemberaubenden Wanderdünen und dem malerischen Haff zieht jeden in ihren Bann. Auch den Schriftsteller Thomas Mann, der auf litauischer Seite den Sommer genoss. Zwischen bunten Holzhäusern und Kurenwimpeln müht sich heute die Nationalpark-Chefin um den Sand auf der Nehrung. Aurelius fährt auf seinem Kurenkahn hinaus. Und das heidnische Johannisfest mit einer Prozession unter Blumenkränzen und lodernden Fackeln ist der Höhepunkt zur Mittsommersonnenwende. Vor der Küste der Kurischen Nehrung sorgt die Litauische Marine für Sicherheit am Strand. Immer noch werden dort Munitionsreste aus den Kriegen angespült. Ein Minensuchmanöver der NATO soll Abhilfe schaffen. Marinestützpunkt ist Klaipeda, das frühere Memel. Das Denkmal zur Volksweise "Ännchen von Tharau" steht hier auf dem Theaterplatz.

Liepaja ist dann der erste Hafen in Lettland. Auch die Letten leben tief verwurzelt mit ihren Traditionen. Die Menschen glauben fest an die Mythen ihrer Vorfahren. Dazu zählt die "Blaue Kuh", die eine Meerjungfrau den Bauern bei Vollmond aus der Ostsee gebracht hat. Oder auch die Letzten der fast ausgestorbenen Liven, die nun die alten Höfe ihrer Großeltern am sturmgepeitschten Kap Kolka wiederbeleben. Eine Großmutter in reich geschmückter Tracht besingt die Aussteuer ihrer Enkelin mit den Dainas (Lieder/Gedichte) ihrer Ahnen.

Im Pape-Naturpark gleich hinter den Dünen kommen Wildpferde bei Sonnenuntergang zum Lagunensee. Ein Bild wie vor 1.000 Jahren. Deutlich jünger ist das düstere Karosta, ein Militärgefängnis seit der Zarenzeit. Auch der wohl exklusivste Badeort im ganzen Baltikum mit seiner einzigartigen Holzarchitektur ist noch aus der Zarenzeit bekannt: Jurmala. Und am Ziel dieser erlebnisreichen Reise dann Riga, größte Stadt im Baltikum. Früher als Hansestadt berühmt, zählt sie heute zum UNESCO Weltkulturerbe.

Text: NDR

Fotos: © NDR/Manfred Schulz TV & FilmProduktion

Produktion: Manfred Schulz TV & FilmProduktion

Weitere Sendetermine: Mo, 02.04.2018, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung, 90 min-Fassung); Fr, 28.12.2018, 14.30 Uhr, NDR-Fernsehen; Mi/Do, 02./03.01.2019, 00.45 Uhr, NDR-Fernsehen; So, 11.08.2019, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen

Gefördert mit Mitteln der nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH.

Siehe auch: LAND ZWISCHEN ODERHAFF UND NEWAMÜNDUNG