"Geheimmission Tel Aviv: Wie Fußball die Geschichte veränderte"

Dokumentation von Dietrich Duppel und Nadine Neumann

Sendetermine: Mo, 09.03.2020, 23.30 Uhr, ARD; Mo, 17.02.2020, 23.30 Uhr, ARD (Erstausstrahlung)

Februar 1970 - eine Serie von antisemitischen Terroranschlägen erschüttert die Welt. Ein jüdisches Gemeindezentrum in München, ein Swiss-Air-Flug nach Tel Aviv, die versuchte Entführung einer El-Al-Maschine - die Schreckensmeldungen überschlagen sich. Ausgerechnet jetzt wollen die Fußball-Bundesliga-Profis von Borussia Mönchengladbach auf Initiative der beiden Trainer Hennes Weisweiler und Eddy Schaffer zu einem Freundschaftsspiel nach Tel Aviv fliegen.

Damals wie heute die Frage: Wie geht die deutsche Gesellschaft mit einem wieder offen auftretenden Antisemitismus um? Und wie wird die Öffentlichkeit in Israel auf die Deutschen reagieren? Der Umgang der deutschen Gesellschaft mit Antisemitismus und dem Holocaust ist hochaktuell.

In einer zeitgeschichtlichen Aufarbeitung betrachtet der Film die ambivalente Annäherung von Deutschland und Israel nach dem Krieg. Gleichzeitig zeichnet er das hoffnungsvolle Porträt eines Fußballspiels, bei dem die Freundschaft zwischen einem Deutschen und einem Israeli einen einzigartigen Akt der Völkerverständigung erst ermöglicht.

Einige Spieler der legendären sogenannten Fohlenelf haben Zweifel, ihre Familien Angst, sie ziehen zu lassen. Doch die Trainer Hennes Weisweiler und Eddy Schaffer, seit über zehn Jahren eng befreundet, räumen alle Sorgen aus dem Weg. Während die neue SPD-Regierung unter Willy Brandt in Israel für Irritationen sorgt, überholt kurz darauf die Männerfreundschaft zwischen den beiden Trainern die internationale Diplomatie.

Denn am Ende des Spiels jubeln die Zuschauer im ausverkauften Stadion trotz einer fulminanten Niederlage der Israelis „Vivat Germania!“: „Hoch lebe Deutschland!“, ausgerechnet. Das Spiel markierte einen Wendepunkt in der Stimmung zwischen den beiden Ländern.

Das Fußballspiel wurde nie im Fernsehen übertragen und taucht in keiner Statistik auf, und trotzdem ist es für Deutschland ebenso wichtig wie manch legendäres WM-Endspiel. Private Super-8-Aufnahmen sind das einzig existierende Video-Dokument dieser unglaublichen Begegnung, die den Lauf der Geschichte nachhaltig änderte. Auf diplomatischer Ebene strebte Deutschland eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel an, das hatte Walter Scheel gerade noch bei einem Besuch des israelischen Außenministers Abba Eban im Februar 1970 betont.

Doch wie „normal“ konnten die Beziehungen 25 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sein? Dem wachsenden antisemitischen Terror steht die bis heute andauernde Sportsfreundschaft zwischen Deutschland und Israel gegenüber.

Der Film nähert sich dem Ereignis über die ehemaligen Akteure und ihre Familien: Promis wie Günter Netzer und Israels Fußball-Legende Motti Spiegler, den Gladbacher Herbert Laumen. Aus dem privaten Umfeld berichten Moshe Schaffer, Eddys Sohn, und Gisela Weisweiler, die Ehefrau von Hennes Weisweiler. Eingebettet wird das Spiel in die Zeitgeschichte durch Erzählungen über die bundesdeutsche Wirklichkeit von bedeutenden Zeitzeugen wie Hans-Jochen Vogel und Charlotte Knobloch, die einer spannenden und entscheidenden Phase für die junge Bundesrepublik ein Gesicht geben.



Text: ARD

Fotos: © WDR/Wilhelm August Hurtmanns (historisch) + WDR/Gebrüder Beetz Filmproduktion/Johannes Straub

Produktion: Gebrueder Beetz Filmproduktion Lüneburg GmbH

Gefördert mit Mitteln der nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH. 

Siehe auch: GEHEIMMISSION TEL AVIV