"Norddeutsche Dynastien: Robbe & Berking - Silberschmiede an der Förde"

Dokumentation von Dagmar Wittmers

Sendetermin: Sa, 12.12.2020, 12.00 Uhr, NDR-Fernsehen Sa, 26.7.14, 12.45 Uhr, NDR-Fernsehen

In den noblen Häusern der Welt, z. B. im Bundeskanzleramt und im Weißen Haus, im Moskauer Kreml oder im Palast des Aga Khan, tafelt man mit Bestecken von Robbe & Berking. Berühmte Hotels und Feinschmeckerrestaurants decken ihre Tische mit Besteck aus der Manufaktur in Flensburg, auf dem Traumschiff "MS Deutschland" gehört das Tafelsilber von Robbe & Berking zum Ambiente. Handwerkliche Perfektion und kaufmännisches Gespür hat die Silberschmiede zum Weltmarktführer gemacht.

Firmenchef Oliver Berking hat die Devise von seinem Urgroßvater übernommen: Andere dürfen billiger sein, besser sein darf niemand! Seine Manufaktur schmiedet schon in fünfter Generation Tafelbestecke aus Silber. Handarbeit ist bei Robbe & Berking Trumpf.

Als Nicolaus Robbe 1874 seine kleine Gold-und Silberschmiede in Flensburg eröffnete, trieb ihn die Not dazu. Weil er keine Anstellung fand, versuchte er mit einem Einmannbetrieb, die Familie zu ernähren. Seine Frau half in der Werkstatt mit beim Putzen und Schleifen. Oft reichte das Geld nicht, um Silber für Aufträge zu kaufen.

Nach 20 Jahren stellte er endlich einen Gesellen ein, das war der Wendepunkt für die kleine Firma. Der junge Goldschmied Robert Berking verliebte sich in Robbes Tochter, wurde zum Schwiegersohn und Teilhaber. Er erklärte die Herstellung von Messer, Gabel und Löffel zum Hauptgeschäft der kleinen Manufaktur. Der Erfolg gab ihm recht: In kurzer Zeit war die Firma Robbe & Berking in der Region gefragter Spezialist für Tafelbesteck.

Ein Schicksalsschlag war beinahe das Ende der Silberschmiede: Mit nur 36 Jahren ist Robert Berking in der Kollunder Bucht ertrunken. Seine Frau Henriette leitete den Handwerksbetrieb, bis die Söhne ihn übernehmen konnten. Ihr Ältester, Theodor, setzte die Familientradition fort. Mit exzellentem Handwerk manövrierte er die Firma durch die Krisen der 1920er-Jahre. "Nordische Silberschmiede" nannte sich die Manufaktur nach der Machtergreifung der Nazis. Bestecke aus Silber waren im Krieg nicht gefragt, dafür Kriegsverdienstorden aus Aluminium. Ein Staatsauftrag.

Die Nachkriegszeit überlebte die Firma mit Kunstgewerbe. Wer braucht Besteck, wenn es nichts zu essen gibt. Als es in den Wirtschaftswunderjahren wieder hieß, hast du was, bist du was, war Silberbesteck das Hochzeitsgeschenk Nummer eins. Die Modelle "Isabel" und "Brigitte" waren in Norddeutschland besonders gefragt.

Königshäuser und Nobelhotels wurden zu Neukunden, als Robert Berking Junior neue Designs entwarf und die alten Klassiker der Zeit anpasste. Die Formen von Robbe & Berking stachen die Konkurrenz aus. Sein Sohn Oliver war 22 Jahre alt, als er 1985 in die Firma kam. Der Betriebswirt ist mit dem Silberhandwerk aufgewachsen. Heute lenkt er das international aufgestellte Unternehmen mit 120 Mitarbeitern. Wenn ihm steigende Silberpreise Sorgen machen, sind die Vorfahren sein Vorbild, denn sie haben schlimmere Krisen gemeistert. Der Firmenchef vertraut darauf, dass eines seiner sechs Kinder die Silberschmiede einmal in sechster Generation weiterführen wird.

Text: NDR

Fotos: © NDR/Fa. Robbe & Berking, Peter Grätz

Produktion: doc.station Medienproduktion GmbH 

Weitere Sendetermine: Mo, 3.12.12, 21.00 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung); Sa, 15.6.13, 12.45 Uhr, NDR-Fernsehen; So, 13.7.14, 15.15 Uhr, NDR-Fernsehen; Sa, 26.7.14, 12.45 Uhr, NDR-Fernsehen

Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.

Siehe auch: NORDDEUTSCHE DYNASTIEN