"Elbvertiefung ohne Ende"

Dokumentation von Ulrich Patzwahl

Mediathek: Online verfügbar bis 26.03.2021, 14.15 Uhr, ARD Mediathek

Seit dem 9. Februar 2017 ist es entschieden: Die Elbvertiefung kommt. Noch wird allerdings nicht gebaggert, denn der seltene Schierlings-Wasserfenchel, der nur an der Tideelbe wächst, ist immer noch nicht richtig geschützt. Und die zur Vertiefung geforderten Ausgleichsflächen reichen nicht aus. In dieser Schwebe lebt man an der Elbe seit Jahren. In keiner anderen Region in Deutschland wird so hartnäckig um eine Entscheidung gerungen, nirgendwo sonst sind die beiden Lager, Befürworter und Gegner, so weit voneinander entfernt.

Inge Massow-Oltermann ist Bürgermeisterin von Grünendeich, einer Elbgemeide unweit von Stade. Sie stammt aus einer Lotsenfamilie, in ihrem Geburtshaus ist schon ihr Großvater aufgewachsen, heute lebt sie dort, mit Kindern und Enkelkindern. Ein schönes schlichtes Haus, aber: es liegt keine 50 Meter hinterm Deich, genau am Elbeknick. Und genau hier, nur auf der anderen Deichseite, ist im Februar 2016 eines der größten Containerschiffe der Welt, die "CSCL-Indian Ocean", auf seinem Weg nach Hamburg aus der Fahrrinne gelaufen und im Elbschlick stecken geblieben. Seitdem hat Inge Massow endgültig die Nase voll: Sie will sich beteiligen, will wissen, was "die da in Leipzig verhandeln" - Widerstand leisten, gegen die Elbvertiefung.

Als Landwirt hat Jan-Peter Rüst an der Elbmündung bei Otterndorf eigentlich gar nichts mit der Elbvertiefung zu tun, aber für seine Bullenmast pachtet er wie schon sein Vater die Weideflächen im Außendeich. Dort grasen die Tiere im Sommer, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Containerriesen. Neuerdings jedoch wird die Weidefläche kleiner. Das Land bricht ins Fahrwasser ab, in die Elbe, erst recht seitdem das Land Niedersachsen vorgegeben hat, dass der Sommerdeich, der die Erosion zumindest aufhält, abgetragen werden muss. Nur die Weideflächen ohne Deich stehen nämlich als Ausgleichsflächen unter Naturschutz. Und von denen, sagen jetzt die Leipziger Richter, gibt es immer noch zu wenig...

Die Liste lässt sich beliebig verlängern: Die Traditionsreederei Hapag-Lloyd, für die es immer schwerer wird, mit ihren größten Schiffen den eigenen Stammsitz, Hamburg, anzulaufen, oder der bedeutende Fischereihafen Friedrichskoog, der im Sommer 2015 von der schleswig-holsteinischen Landesregierung endgültig geschlossen wurde, weil die Ausbaggerung der Zufahrt zu kostspielig wurde - dabei bestreitet niemand mehr, dass das mit einem ganz besonderen Schlick zusammenhängt: mit dem verklappten Baggergut aus der Elbe. Die Elbvertiefung ist eine Spirale, ein gordischer Knoten, so scheint es, der längst nicht mehr aufgelöst werden kann. Welche Seite hat Recht?

Text, Produktion: Novo Film GmbH

Fotos: © NDR/Uli Patzwahl

Weitere Sendetermine: Fr, 31.03.2017, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung); Di, 25.07.2017, 15.00 Uhr, NDR-Fernsehen; Mi, 01.08.2018, 14.15 Uhr, NDR-Fernsehen; Mo, 05.08.2019, 14.15 Uhr, NDR-Fernsehen; Do, 26.03.2020, 14.15 Uhr, NDR-Fernsehen

Gefördert mit Mitteln der nordmedia in Niedersachsen und Bremen.

Siehe auch: ELBVERTIEFUNG OHNE ENDE