"Im Schatten der Macht (1): Die Falle"

Fernsehfilm von Oliver Storz

Sendetermin: Fr, 08.10.2021, 20.15 Uhr, 3sat

Frühjahr 1974: Bundeskanzler Willy Brandt ist im Sonderzug auf Wahlreise durch Norddeutschland. Begleitet wird er von Journalisten, Leibwächtern und Partei-Referent Günter Guillaume. Guillaume ist Brandts "Mädchen für alles". Dabei steht er seit einem knappen Jahr unter dem Verdacht, Stasi-Agent zu sein - und der Kanzler weiß das. Doch Brandt soll den Arglosen spielen, bis man ausreichende Beweise gegen Guillaume beisammen habe.

Brandt folgt damit dem Rat des obersten Verfassungsschützers Nollau und des politisch verantwortlichen Innenministers Hans-Dietrich Genscher. Dies gelingt Brandt um so besser, als er den Verdacht gegen Guillaume von Anfang an nicht ernst genommen und im Lauf der Monate verdrängt hat.

Der Kanzler ist in keiner guten Verfassung. Er steht noch immer auf dem Höhepunkt seines internationalen Ansehens, aber die Regierungsarbeit des zweiten Kabinetts Brandt geht allmählich aus dem Leim.

Die Ermittlungen gegen Guillaume treten auf der Stelle, und Genscher wird immer nervöser. Er setzt Nollau unter Druck, Guillaume entweder zu überführen oder aber die Ermittlungen einzustellen. Nollau, der wie Genscher um seine Karriere fürchtet, gibt den Fall trotz mangelnder Beweise an den Generalbundesanwalt ab.

Der stellt einen Durchsuchungsbefehl aus und lässt das Bundeskriminalamt zugreifen, als der Verdächtige - obwohl er bemerkt hat, dass er observiert wird - aus einem Südfrankreich-Urlaub nach Bonn zurückkehrt.

Günter Guillaume gibt sich, gegen jede Regel, sofort als "Bürger der DDR und ihr Offizier" zu erkennen. Er wird samt seiner Frau Christel verhaftet. Die Vernehmer bittet er, mit dem Kanzler sprechen zu können. Als ihm dies verwehrt wird, schweigt er.

Nun befragen die Ermittler auch Beamte des Begleitkommandos, das für die Sicherheit des Kanzlers verantwortlich ist: Bei welchen Gelegenheiten war Guillaume dabei? Etwa wenn der Kanzler in Hotels oder im Sonderzug Besuche empfing, Hintergrundgespräche führte, besonders mit Journalistinnen? Was davon hat Guillaume mitbekommen und mutmaßlich nach Ostberlin gemeldet? So wird unversehens das Privatleben Willy Brandts zum Thema der Ermittlungen. Undeutlich bleibt zwar, wo in den Schilderungen der Sicherheitsbeamten die Grenze zwischen Realität und Phantasie verläuft.

Aber so viel wird klar: Es soll der Referent und Reiseleiter Guillaume gewesen sein, der dem Kanzler "Frauen zugeführt" hat.

Darüber informiert der Chef des Bundeskriminalamts Herold den Innenminister, dann auch den Kollegen Nollau vom Verfassungsschutz. Nollau wiederum eilt zu seinem Freund und Gönner Wehner, dem er die vermeintlich dramatische Lage erregt schildert: Der Bundeskanzler sei erpressbar, die DDR-Führung könne mit diesen Sexgeschichten die Bundesregierung bis auf die Knochen blamieren.

Nollau weiß nur einen Rat: Willy Brandt muss zurücktreten, bevor es zum Eklat kommt.

Text: ARD

Produktion: Ziegler Film GmbH & Co. KG

Weitere Sendetermine:  Mo/Di, 3./4.11.03, 1.00 Uhr, ARTE; Do, 23.10.03, 20.45 Uhr ARTE, Erstausstrahlung; Mi, 29.10.03, 20.15 Uhr, ARD; Do, 30.10.03, 17.25 Uhr, ARTE; Sa/So. 3./4.12.05, 00.00 Uhr, NDR-Fernsehen;  Di, 11.4.06, 20.15 Uhr, Phoenix;  Sa, 13.10.07, 20.15 Uhr, rbb-Fernsehen; Sa, 6.1.07, 23.40 Uhr, ARTE; Sa, 13.1.07, 15.50 Uhr, ARTE;  Mi/Do, 17./18.12.08, 2.15 Uhr, NDR-Fernsehen; Sa, 18.4.09, 22.30 Uhr, Phoenix; So, 19.4.09, 14.00 Uhr, Phoenix; Mo, 16.12.13, 23.30 Uhr, NDR-Fernsehen; o, 24.4.14, 22.15 Uhr, Phoenix

Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.

Siehe auch: IM SCHATTEN DER MACHT