"Babai - Mein Vater"

Spielfilm von Visar Morina

Sendetermine: Mi, 10.01.2018, 23.15 Uhr, ARTE (Erstausstrahlung); Do/Fr, 25./26.01.2018, 00.35 Uhr, ARTE

Kosovo, 90er Jahre: Nori und Gesim, sein Vater, schlagen sich mit dem Verkauf von Zigaretten durch. Die Mutter hat sie verlassen. Der Vater versucht, nach Deutschland zu fliehen, woran Nori ihn mit allen Mitteln hindern will, auch wenn das heißt, sich vor einen Bus zu werfen. Als Nori aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist der Vater verschwunden, doch sein Sohn fest entschlossen, ihm zu folgen …

Nori und sein Vater Gesim sind alleine, nachdem die Mutter sie verlassen hat. Um im Kosovo der 90er Jahre, vor dem Krieg, über die Runden zu kommen, müssen sie Zigaretten verkaufen. Gesim will fliehen und Nori weiß es, obwohl es unausgesprochen bleibt. „Wo ist Papa?“ ist einer der häufigsten Sätze des Films, mit dem Nori kontrolliert, ob sein Vater noch da ist. Schließlich will Gesim tatsächlich nach Deutschland fliehen.

In seiner Verzweiflung wirft sich Nori vor den Bus, um ihn aufzuhalten, und muss im Krankenhaus behandelt werden. Als ihn dort sein Onkel anstelle seines Vaters abholt, stellt Nori keine Fragen mehr. Er weiß, dass sein Vater gegangen ist, und er weiß auch, dass man in diesen Zeiten niemandem vertrauen kann. Das Universum des Films ist düster. Obwohl oberflächliche Freundlichkeiten ausgetauscht werden, ist der Umgang untereinander sehr rau. Jeder betrügt, wo er kann, Abmachungen werden vergessen, die Erinnerungen an sie erfolgen durch den Austausch von Schlägen.

Nori scheint in seiner Kindlichkeit vorzeitig gealtert. Trotzig fasst er den Entschluss, seinem Vater zu folgen - koste es, was es wolle. Die Entschlossenheit und Härte, mit der er sein Vorhaben verfolgt, sind fast unheimlich. Angesichts des Verhaltens, das ihm die Erwachsenen entgegenbringen, sind sie allerdings nicht verwunderlich. Visar Morina geht mit seinen Figuren nachsichtig um. Gesim macht zwar vieles falsch, ist aber dennoch ein liebender Vater. Dieser Situation, in der man eigentlich nichts richtig machen kann, ist er nicht gewachsen.

Text: ARTE

Fotos: © NiKo Film/Matteo Cocco

Produktion: NiKo Film in Koproduktion mit Produksioni Krusha, Skopje Film Studio

Förderung: Film- und Medienstiftung NRW; FFA - Filmförderungsanstalt; nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH; Kosovo Cinematography Center; Macedonian Film Fund

Siehe auch: BABAI