"A Thought of Ecstasy"

Spielfilm von RP Kahl

Sendetermin: Mo, 10.01.2019, 22.25 Uhr, 3sat (Erstausstrahlung)

Eine Reise durch ein Amerika des Jahres 2019. Ein Mann auf der Suche nach einer verlorenen Liebe. Eine Frau verloren in der Sehnsucht nach Vergeltung. Inspiriert von George Bataille und Jean Baudrillard, schickt Regisseur RP Kahl seinen Protagonisten zu den sphärischen Klängen und Beats der Berliner Electro-Acts Moderat und Gajek auf einen Neo-Noir-Trip in eine sonnendurchflutete Welt aus Verführung und Todessehnsucht.

Frank erkennt in einem Buch seine eigene 20 Jahre zurückliegende Geschichte wieder. Es sind die Erinnerungen von Marie, mit der er in Deutschland eine Beziehung hatte, bevor sie nach Amerika verschwand. Er folgt ihrer Spur. Sie wird zu seiner Obsession.

Als ein Job ihn nach Los Angeles bringt, gerät er in den Sog seiner Erinnerungen und kappt alle Verbindungen zu seinem bürgerlichen Leben. Die Suche nach seiner verlorenen Liebe bringt ihn in ein Land, das unter einer erdrückenden Hitzewelle erstarrt und sich im Misstrauen und politischer Paranoia verliert.

Der Versuch, mit Marie in Kontakt zu treten, scheitert an der geheimnisvollen Literaturagentin Liz Archer, die Maries Existenz ebenso wie Franks Behauptung, selbst eine Figur in diesem Roman zu sein, verleugnet. Dennoch begibt sich Frank auf eine Reise in die Wüste, um Maries Leben auf der Landkarte ihres Tagebuchs zu verfolgen. Seine Begegnung mit Nina, die ihn auf seltsame Weise in den Bann zieht, scheint die Worte des Buches vor seinen Augen zu materialisieren. Oder wird Frank zu einer Figur in einer anderen, neuen Geschichte, die er längst nicht mehr selbst steuert?

Als Marie wie ein Trugbild aus seiner Erinnerung in diese neue Geschichte tritt, verliert er vollends den Boden unter den Füßen. Nur Liz Archer wird ihm die Antworten auf seine Fragen geben können. Wie aus einem Film noir entsprungen begegnet sie ihm, und wie die starken Frauen in diesem Genre hält sie die Fäden in der Hand. Ein Racheengel, der genau wie Frank den Weg mit mehr Leidenschaft verfolgt als das Ziel. Frank weiß nun, wohin ihn seine Reise führen wird. Nichts als der eigene Wunsch am Verschwinden treibt ihn: So wie Sehnsucht eine neue Realität schafft, kann auch Wahn die Wirklichkeit verändern. Und ein Kuss ist der Anfang von Kannibalismus an diesem heißesten Tag aller Zeiten, dem 13. August 2019.

RP Kahl hat in seinem Spielfilm A THOUGHT OF ECSTASY eine Reise durch ein Amerika der nahen Zukunft inszeniert, das voller Bilder und Assoziationen steckt. Das Kalifornien der Trump-Ära, das sein Protagonist Frank durchstreift, ist moralisch verödet. Ein Kino der Weite, in dem die Hauptfigur Frank nur ein Statist in der ultimativen "Fiktion Amerika" ist und die Landschaft die Kulisse seiner Vorstellung. Ein Kino, in der Zeit keine Rolle zu spielen scheint. Ein Gedanke kann die Ewigkeit bedeuten.

Das Konzept der Reise heißt "Nicht ankommen". Fahren als Wachtrauma, die Katastrophe als Lustform. Ganz im Sinne von George Bataille und seinem lustvoll verzweifelten "Verschwende Dein Leben" als finale Manifestation des Seins verschwimmen für Frank Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf fatale Weise.

Text: 3sat

Fotos: ZDF/Markus Hirner

Produktion: Studio RPK in Koproduktion mit/in co-production with: Independent Partners Film Oldenburg

Förderung: BKM - Bundesministerium für Kultur und Medien; nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH 

Siehe auch: A THOUGHT OF ECSTASY