Das Kino als magischer Ort

Resümee des 35. Braunschweig International Film Festival

Vom 1. bis 7. November 2021 zog es an insgesamt sieben Veranstaltungstagen die FilmfreundInnen wieder in die Spielstätten der Stadt - es wurde gemeinsam gelacht, geweint und philosophiert. „Genau das ist das Gefühl von Gemeinsamkeit“, resümiert Thorsten Rinke, Vorstandsvorsitzender des Filmfest-Vereins. Nach einem rein digitalen Jahr in 2020 fand das Festival wieder in den Spielstätten der Löwenstadt statt - im ASTOR Filmtheater, im Universum Filmtheater, im Roten Saal, im LOT-Theater, im Eulenglück und auch im Staatstheater Braunschweig.

Im Rahmen der Preisverleihung des diesjährigen 35. Braunschweig International Film Festival (BIFF) wurden im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig neun Preise verliehen, die insgesamt mit einer Rekordsumme von 60.500 Euro dotiert wurden. Schauspieler Sebastian Koch erhielt den Preis "DIE EUROPA" für seine langjährig herausragende darstellerische Leistung und seine Verdienste um die europäische Filmkultur. Der Heimspielpreis ging an DAS MÄDCHEN MIT DEN GOLDENEN HÄNDEN (Deutschland, 2021), eine lobende Erwähung erhielt TÜRKISCHE RIVIERA (Deutschland, 2020). Die KINEMA-Jury, die aus sechs Jugendlichen aus Frankreich und Deutschland besteht, zeichnete die Deutschlandpremiere THE THIRD WAR (Frankreich, 2020) von Giovanni Aloi mit dem deutsch-französischen Jugendpreis aus. Der Film erhielt darüber hinaus auch den Volkswagen Financial Services Filmpreis. Der Braunschweiger Filmpreis, der an den/die beste/n deutschsprachige/n NachwuchsschauspielerIn überreicht wird, ging an NICO (Deutschland, 2020) Hauptdarstellerin Sara Fazilat, Dora Zygouri aus DIE SAAT (Deutschland, 2021) erhielt eine lobende Erwähnung. Gesellschaftlich derzeit vielbesprochene Themen wie die globale Klimakrise hatte die Reihe „Green Horizons“ im Fokus. Regisseur Erlend E. Mo, der im Januar dieses Jahres verstarb, wurde hierbei postum für sein Werk JOURNEY TO UTOPIA (Dänemark, Norwegen, Schweden, 2020) ausgezeichnet. HIVE (Kosovo, Schweiz, Nordmazedonien, Albanien, 2021), das Langfilmdebüt der Regisseurin Blerta Basholli, erhielt den Frauenfilmpreis "DIE TILDA".

© Braunschweig International Film Festival
© Braunschweig International Film Festival

25 YEARS OF INNOCENCE (Polen, 2020) von Regisseur Jan Holoubek wurde mit dem Publikumspreis "DER HEINRICH" ausgezeichnet. „Das Publikum ist so entscheidend für einen Film“, skizziert Florence Houdin, Vorstandsvorsitzende des Filmfest-Vereins. „Die Filmschaffenden haben das Feedback der Gäste in den Gesprächen förmlich aufgesogen. Natürlich konnten die Werke in der Pandemiezeit mitunter beispielsweise über Streamingplattformen gezeigt werden - der Dialog mit dem Publikum hat aber gänzlich gefehlt.“

Dem stimmte auch Karina Gauerhof, Leiterin des Programmmanagements des Festivals, zu: „Endlich konnten wir wieder mit den Filmschaffenden und dem Publikum in Kontakt treten. Filme werden ja stets sehr unterschiedlich gesichtet - mich freut es derweil immer zu hören, wie andere ein Werk wahrgenommen haben.“ In diesem Jahr sei dies nach einer rein digitalen Ausgabe in 2020 endlich wieder möglich gewesen. Die Stimmung in der Festivalwoche war unterdessen sehr entspannt und ruhig. „Durch zugewiesene Sitzplatzkarten konnten wir Schlangenbildungen vor den Kinosälen vermeiden.“ Die Hygienekonzepte der jeweiligen Spielstätten sind aufgegangen. Auch Anke Hagenbüchner, Leiterin der Festivalorganisation, resümiert erleichtert: „Es war eine intensive Zeit, umso größer ist nun unsere Freude. Für die BesucherInnen war es ein entspannter Filmgenuss und für die Filmschaffenden war es ein toller Austausch.

Wenngleich die Freude der Gäste groß war, endlich wieder in den Festivalgenuss vor Ort zu gelangen - angesichts der pandemiebedingten Umstände gab es durchaus Vorbehalte. Vorstandsvorsitzender Thorsten Rinke erläutert: „Die BesucherInnen sind sehr viel gezielter zu den Veranstaltungen gegangen. Auch sind mitunter Plätze von Gästen leer geblieben, die sich eigentlich schon vorab eine Karte gesichert hatten.“ Nichtsdestotrotz, Rinke bekräftigt: „Das Festivalfeeling, das Gefühl des Filmfestes vor Ort, es war wieder zurück." Die Entscheidung des hybriden Formats sei wichtig gewesen. Einerseits konnten Interessierte einen Teil des Programms über die Streamingplattform des Festivals online verfolgen, andererseits zogen die Vorführungen und Sonderveranstaltungen die Interessierten wieder in die Spielstätten der Stadt. „Wir haben gemerkt, dass die BesucherInnen ein großes Interesse hatten, wieder ins Gespräch zu kommen. Sowohl untereinander, als auch mit den vielen Filmschaffenden.“ Mehr als 100 RegisseurInnen sowie SchauspielerInnen begrüßte das Festival in der Woche vor Ort, bedingt durch die gegebenen Umstände vor allem aus dem europäischen Raum. „Letztendlich ist das Kino ein magischer Ort: Gemeinsam lachen, gemeinsam weinen, gemeinsam die große Leinwand genießen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Das 36. Braunschweig International Film Festival wird vom 7. bis zum 13. November 2022 stattfinden. 
Weitere Informationen unter www.filmfest-braunschweig.de