Chancen und Risiken innovativer TV-Formate

- informative Diskussion beim nordmedia-Talk Hannover

Torsten Zarges, Dr. Michael Heiks, Heiner Backensfeld, Michaela Hummel und Jochen Coldewey (v.l.)
Torsten Zarges, Dr. Michael Heiks, Heiner Backensfeld, Michaela Hummel und Jochen Coldewey (v.l.)

Am 8. September waren die "Chancen und Risiken innovativer TV-Formate" Thema des nordmedia-Talks Hannover im Kino im Künstlerhaus. In seinem Eingangsreferat gab Torsten Zarges, der als Korrespondent beim kress report in Köln tätig ist, einen informativen Überblick über das komplexe Themenfeld.

Torsten Zarges und Dr. Michael Heiks (v.l.)
Torsten Zarges und Dr. Michael Heiks (v.l.)

Von Fernsehklassikern wie WAS BIN ICH? (ursprünglich "What's My Line?") bis zu brandneuen TV-Formaten, die in der nächsten Fernsehsaison auf deutschen Bildschirmen zu sehen sein werden, wie etwa TATORT INTERNET - Herr Zarges zeigte an vielen Beispielen anschaulich auf, dass Lizenzen erfolgreicher TV-Formate mehrheitlich aus anderen Ländern zu uns importiert werden. Weniger als ein Drittel dessen, was im deutschen Fernsehen zu sehen sei, so Zarges, würde auch hier entwickelt. Auf dem internationalen Fernsehmarkt würden deutsche Entwicklungen im Vergleich zu denen von TV-Exportnationen wie Großbritannien, den USA und den Niederlanden leider bisher kaum eine Rolle spielen. Dies sei laut Zarges "zu wenig und ein bisschen armselig". Immerhin sei der Export deutscher TV-Formate in jüngster Zeit etwas gestiegen. Als deutsche Export-Schager hätten sich Formate wie SCHLAG DEN RAAB, SCHILLERSTRASSE oder auch günstig herzustellende "Scripted Reality"-Formate wie Gerichts-Shows erwiesen.

Moderator Jochen Coldewey
Moderator Jochen Coldewey

Ein Problem bei der Formatentwicklung in Deutschland sei es, so Dr. Michael Heiks, Geschäftsführer der TV Plus GmbH in Hannover, dass TV-Formate nach deutschem Recht nicht ausreichend geschützt seien. Die FRAPA (Format Recognition and Protection Association) versuche, hier Abhilfe zu schaffen. Der internationale Verband engagiert sich für die Anerkennung von Fernsehformaten als geschützte Werke. Die FRAPA hat u.a. ähnlich einem Patentamt eine "Format Regestry" eingerichtet, bei der man Ideen und Konzepte registrieren lassen kann. Bisher, so Heiks, würden Kreativleistungen von Produzenten nicht von den TV-Sendern honoriert. Produzenten würden vielmehr von Sendern als verlängerte Werkbank betrachtet, die die Rechte an Ideen und Formaten bei Vertragsunterzeichnung abtreten müssten.

Heiner Backensfeld, Michaela Hummel
Heiner Backensfeld, Michaela Hummel

Auch Michaela Hummel, Geschäftsführerin Studio Hamburg DocLights GmbH, musste zum Teil ähnliche Erfahrungen machen und beklagte das Sicherheitsdenken vieler Sender, die lieber ein erfolgreiches Format importieren würden als eine deutsche Eigenentwicklung ins Programm zu nehmen. Studio Hamburg DocLights habe eine eigene Entwicklungsredaktion und setze bewußt auf ein junges Team, das frische kreative Ideen mitbringe. Außerdem werde der internationalen Fernsehmarkt auf Messen und Festivals sehr genau beobachtet, um innovativen Formate aufzuspüren.

Dr, Michael Heiks, Heiner Backensfeld (v.l.)
Dr, Michael Heiks, Heiner Backensfeld (v.l.)

Heiner Backensfeld, Leiter der Abteilung Dokumentarische Unterhaltung beim WDR in Köln, beobachtet seit 2004 für die ARD die Entwicklungen der internationalen TV-Branche. Er vertrat beim nordmedia-Talk die Meinung, dass die Sender mehr kreative Ideen bräuchten. Viele Fernsehformate, wie etwa das klassische Fernsehmagazin, seien langweilig und haben sich laut Backensfeld überlebt. Durch ein spannendes Format könne man auch breite Zuschauerschichten für neue Themen interessieren. Ausschreibungen oder Pitchings wären eine gute Möglichkeit, um neue Formatideen zu entdecken und auch kleineren Produzenten die Chance zu geben, ihre innovativen Ideen zu verkaufen.

Die informative Diskussion wurde beim anschließenden Beisammensein im Foyer des Künstlerhauses fortgeführt. Zum Ausklang des Abends gab es bei Büffet und Getränken die Gelegenheit, sich kennzulernen und sich über aktuelle Projekte, Entwicklungen und Neuigkeiten auszutauschen.

Fotos: Jörg Lorenz