30. European Media Art Festival in Osnabrück

- PUSH | Leben in Zeiten der Hyperinformation

Festival: 26. - 30. April 2017
Ausstellung: 26. April - 21. Mai 2017

Nicht erst seitdem Donald Trump Präsident der USA ist, wird die öffentliche Meinung von permanenter Information und Desinformation überschwemmt; scheinbar gesicherte Standpunkte lösen sich auf. „Fake-News“ lassen uns um unsere freiheitlichen, demokratischen Grundwerte bangen. Nachrichtendienste und soziale Medien beliefern uns unter Hochdruck mit Input; vermeintliche News lassen unsere Smartphones im Minutentakt blinken. In seiner Ausstellung, den Filmprogrammen, Performances und seinen Panels beleuchtet das EMAF dieses Thema in all seinen Facetten.  

Insgesamt 2.400 Künstler aus aller Welt haben ihre Werke für das Festival eingereicht. Bei einem Großteil handelt es sich um Kurz- und Langfilme, Dokumentationen und Musikvideos. Mehr als 400 von ihnen sind Installationen, die von den Ausstellungs-Kuratoren Hermann Nöring und Franz Reimer gesichtet wurden.

The Reader
The Reader

Die künstlerischen Positionen in der Ausstellung umfassen die verdichtete Dokumentation der News-Feeds und der Bild-Fülle von Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram oder Snapchat. Wann wird ein Ereignis „bildwürdig“ und per Selfie, Handyvideo oder TV-Kamerateam im Netz verbreitet? Außerdem geht es um die Frage, was die Glaubwürdigkeit einer Meldung ausmacht - gibt es eine Wahrheit im Netz? Schließlich lassen sich Urlaubsreisen, Identitäten, Parlamentswahlen oder Kriegsgräuel mit Hilfe von zusammen gesuchtem Bildmaterial einfach und schnell bearbeiten, in fremde Kontexte stellen oder diese frei erfinden.

#blacktivist
#blacktivist

So zeigt die Ausstellung des EMAFs in diesem Jahr unter anderem das Zweikanal Video „#blacktivist“ von Mario Pfeifer. Thematisiert wird die selektive Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA. Zu sehen und zu hören sind zum einen die Rapper von Flatbush ZOMBI ES und zum anderen Waffen, die mit einem 3D-Drucker produziert wurden.

Mit „The Reader“ von STANZA ist in der Ausstellung eine mehr als zwei Meter große Plexiglas-Skulptur zu sehen, die einen Hoodie trägt und ein Buch liest. Die Skulptur wurde nach einem Körper-Scan des britischen Künstlers gestaltet. Auf ihren hundert Minidisplays stellt sie die Texte aller Bücher dar, die seit 1952 erschienen und in der British Library vorhanden sind.

Pirouette
Pirouette

Der Kanadier Adam Basanta zeigt mit „Pirouette“ ein Mikrofon, das sich über einem Kreis von Lautsprechern dreht - ähnlich einer Ballerina auf einer Spieluhr. Die Rückkopplungen der Sounds imitieren dabei eine skelettartige Version des Hauptmotivs aus Tschaikowskys Schwanensee.

Die Entwicklungen in den Bereichen Programmierung, Medienentwicklung, Ästhetik, Philosophie und Zukunftsforschung werden auch bei der Konferenz des EMAFs 2017 näher beleuchtet. Diese Disziplinen stellen in Präsentationen und Workshops ihre Arbeitsgebiete vor.

Animal Condensed>Animal Expanded#1
Animal Condensed>Animal Expanded#1

Das Filmprogramm des 30. EMAFs wurde in diesem Jahr wieder von einer vierköpfigen Auswahlkommission zusammengestellt. Sie hat die sehenswertesten Filme ausgewählt - zum Beispiel einen neuen Film der EMAF-Preisträger von 2014, Elise Florenty & Marcel Türkowsky, oder den Kurzfilm „Animal Condensed>Animal Expanded#1“ von Jennet Thomas, in dem zwei post-anthropologische Agenten versuchen, ihr Trauma aus der Massentierhaltung zu verarbeiten - very British, very obscure.

WERNER NEKES - DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN
WERNER NEKES - DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN

Die Retrospektive ist in diesem Jahr Werner Nekes gewidmet. Der Experimentalfilmer und Sammler historischer Sehapparate ist im vergangenen Januar im Alter von 72 Jahren gestorben. Als einer der wichtigsten Künstler und Filmemacher der deutschen Nachkriegsavantgarde hat sich Nekes neben seinen Filmen intensiv mit der Frühgeschichte des Films und visuellen Medien beschäftigt. Das EMAF zeigt u.a. den nordmedia-geförderten Dokumentafilm WERNER NEKES - DAS LEBEN ZWISCHEN DEN BILDERN von Ulrike Pfeiffer, der auf der diesjährigen Berlinale Premiere feierte.

SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES
SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES

Ebenfalls auf der Berlinale und jetzt im EMAF-Programm zu sehen, ist der nordmedia-geförderte Spielfilm SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES von Julian Radlmaier. Außerdem dabei sind die nordmedia-geförderten Kurzfilme DIE HERBERGE von Ulu Braun, der im Rahmen des Stipendiums „cast & cut“ entstanden ist, und UPDATING DEATH von Carsten Aschmann, der auf dem EMAF erstaufgeführt wird.

Der EMAF Media Campus INIT überrascht darüber hinaus mit frischen Arbeiten von jungen, aufstrebenden Medienkünstlern. In diesem Jahr werden unter anderem mehrere Arbeiten von Studenten der Hochschule für Künste in Bremen, der KHM | Kunsthochschule für Medien Köln, der Hochschule Osnabrück und der HfG Offenbach zu sehen sein.

Weitere Informationen und Akkreditierungen unter www.emaf.de!