Gelungener Open Air-Kinoabend 2025 in Berlin zum Thema „Um:Brüche"

- Impressionen einer Film-Sommernacht mit starken Themen

© Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund/Dirk Michael Deckbar
© Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund/Dirk Michael Deckbar

Am 27. August 2025 fand zum fünften Mal das Freiluftkino im Garten der Landesvertretung Niedersachsen beim Bund statt. Bei sommerlichem Wetter wurde die Filmauswahl zum diesjährigen Thema des Jahresprogramms der Landesvertretung „inspektionen // Um:Brüche" von unserem neuen Kooperationspartner Filmfest Braunschweig präsentiert. Nach der Begrüßung durch Axel Rienhoff (Landesvertretung) und der nordmedia-Geschäftsführerin Meike Götz übernahm Karina Gauerhof vom Filmfest Braunschweig als Moderatorin des Abends mit den einleiten Worten: „Umbrüche bedeuten Veränderungen, Spannung, können aber auch eine Verbesserung hervorrufen. Eben diese verschiedenen Aspekte behandeln die diesjährig ausgewählten Beiträge mit dem experimentellen Kurzfilm IN MY SKIN von Samira „Goldie“ Körner und dem Spielfilm LEIBNIZ - CHRONIK EINES VERSCHOLLENEN BILDES von Edgar Reitz.“

Der nordmedia-geförderte Kurzfilm IN MY SKIN geht in fünf Akten der Frage nach, inwiefern sich koloniale Kontinuitäten durch die globale Gegenwart ziehen. Es wird deutlich, wie sich solche Strukturen auf die Gesundheit derjenigen auswirken, die alltäglich von Rassismus betroffen sind. Die Inszenierung setzt den Fokus darauf, mit Nichtbetroffenen auf emotionaler Ebene in den Kontakt zu treten - um über das Fühlen Empathie zu erzeugen. Mit dem Ziel, der rassistischen Erfahrung ein stoffliches Gewand zu geben und zu versuchen, die Gefühle Betroffener zu visualisieren.

Wie Regisseurin Samira „Goldie“ Körner im Gespräch erzählt, kommt sie aus der Modebranche und wollte mit dem Kurzfilm einen Apell gegen Rassismus setzen - motiviert durch Vorfälle wie Hanau, dem Rechtsdruck in der Politik, dem entsprechenden Umgang in der fast fashion-Branche, aber auch Vorfällen aus dem eigenen Freundeskreis. Das im Film sehr präsente Voiceover wurde von Kalitou M'Baye eingesprochen. M'Baye, die Sängerin und Lehrerin an einer Berliner Schule ist, muss sich selbst tagtäglich mit Rassismus beschäftigen.

Der nordmedia-geförderte Langfilm des Abends LEIBNIZ - CHRONIK EINES VERSCHOLLENEN BILDES handelt von Königin Charlotte, die den großen Denker Leibniz seit ihrer Zeit als Schülerin liebt. Als Königin in Preußen sehnt sie sich nach seinen weisen Antworten auf die großen Fragen des Lebens und lässt ein Porträt von ihm anfertigen. Die Begegnungen von Philosophen und Malern verwandeln sich bald in leidenschaftliche Auseinandersetzungen über die Frage der Wahrheit im Bild. Erst die Malerin Aaltje van de Meer vermag es, das Denkmal Leibniz zum Menschen zu machen. Als Königin Charlotte nach Hannover kommt, um ihren Gedankenfreund wiederzusehen und das Bild abzuholen, schlägt das Schicksal zu: Das Leibniz-Porträt, das schließlich ein Meisterwerk der Barockmalerei wurde, ist bis heute verschollen.

Nach dem Film standen Aenne Schwarz (Rolle Malerin Aaltje van de Meer) und Antonia Bill (Rolle Königin Charlotte) für ein Filmgespräch zur Verfügung. Beide Darstellerinnen lobten die Zusammenarbeit mit Regisseur Edgar Reitz. Antonia Bill gab preis, dass Reitz einst meinte, er besetzt Schauspieler:innen nur einmal pro Film - da die darstellende als Person für ihn mit dieser einen Filmrolle verbunden sei. Umso überraschender war es für sie nach der Rolle als Bauernmädchen Jettchen in DIE ANDERE HEIMAT - CHRONIK EINER SEHNSUCHT (2023) noch einmal von Edgar Reitz besetzt zu werden - und vom Bauernmädchen zur Königin zu avancieren. Im Anschluss an die Vorführungen genossen die Gäste und Filmteams bei Snacks, kühlen Getränken und interessanten Gesprächen die laue Sommernacht.