"Land im Gezeitenstrom: Von der Ems zum Ijsselmeer"

Dokumentation von Manfred Schulz

Sendetermine: Mi, 31.03.2021, 14.00 Uhr, 3sat (90 min-Fassung); Mi/Do, 31.03./01.04.2021, 02.45 Uhr, 3sat (90 min Fassung); So, 03.08.2014, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung 90 min-Fassung)

Die Niederlande liegen zu großen Teilen unterhalb des Meeresspiegels. Das Wasser ist allgegenwärtig. Es bedeutet größte Gefahr, ist aber auch der größte Schatz des Landes. Hunderte Kilometer Küste und Strände, boomende Wirtschaftshäfen, Flüsse, Kanäle, unzählige Binnenseen und die Nordsee - eine einzigartige Landschaft. LAND IM GEZEITENSTROM ist der Landschaft und ihren Menschen, Geschichten und Traditionen auf der Spur.

Unter Segel geht es an Bord eines traditionellen Plattbodenschiffs von der Ems über Kanäle und Seen quer durch die Provinzen Groningen und Friesland ins Wattenmeer zu den westfriesischen Inseln und über das Ijsselmeer ins Polderland. Wo sonst kann man im Schlick nach versunkenen Inseln suchen oder wilde Orchideen bestaunen?

Auf Ameland ziehen zehn kraftstrotzende Pferde im Gespann mit donnerndem Hufschlag das Rettungsboot wie zu alten Zeiten über den Strand ins Meer. Auf Terschelling "schießen" Vogelkundler mit Kanonennetzen auf Gänse, und junge Frauen eifern dem großen Seefahrer und Entdecker Willem Barents nach. Auf den friesischen Binnenmeeren wetteifern raue Kerle bei der Skutsje-Regatta, dem alljährlichen Rennen der Frachtsegler.

In den Niederlanden scheinen ohnehin Schiffe Vorfahrt zu haben: Vor den hochgezogenen Brücken stauen sich Autos, Fahrräder und Fußgänger. Wer es sich leisten kann, zieht aufs Wasser, in ein selbst entworfenes, schwimmendes Haus oder auf einen alten Lastkahn. Das hat auch ein Kunstmaler in Leeuwarden getan mit Wohnung und Atelier für sich und Gästezimmern für Touristen. In IJlst wässert der Sägemüller noch heute sein Holz im Fluss. Die dicken Baumstämme werden nur durch Windkraft gesägt. Und wenn der Wind nicht weht, schaut er beim Fierljeppen zu, dem Nationalsport in Friesland: Stabweitsprung über das Wasser. Allerdings muss man dabei auch noch gut klettern können. Eine skurrile Sportart wie das "Kuhkuscheln" oder auch das Kaatsen, eines der ältesten überlieferten Ballspiele überhaupt.

Vor 100 Jahren noch eine riesige Nordseebucht, ist die Zuiderzee heute vom Meer abgetrennt zu einem Süßwassersee geworden, dem Ijsselmeer. Große Teile sind Polderland, bis zu fünf Meter unter dem Meeresspiegel. Weit im Binnenland liegen die alten Fischerinseln Urk und Schokland. Bewohnt sind sie von Menschen, die noch immer ihr abgeschiedenes Inselleben führen. Sie bewirtschaften den früheren Meeresboden um sich herum und stoßen beim Graben gelegentlich auf gestrandete Schiffe ihrer Vorfahren. Zu der Zeit, als die Gezeiten noch weit ins Binnenland hineingriffen, wuchsen Orte wie Giethoorn aus der Moorlandschaft heraus, auch "holländisches Venedig" genannt.

Im Nationalpark "De Weerribben" bekommt das Filmteam einen der seltensten Schmetterlinge Europas vor die der Kamera. Im ehemaligen Nordseehafen Kampen dreht ein Zigarrenmacher, der früher seinen Tabak aus dem Seehandel bezog, noch immer Zigarren mit der Hand. Einmal im Jahr treffen sich die alten Frachtsegler zum "Klipperrace", der größten Regatta auf dem Ijsselmeer. Auf der Huisman-Werft in Vollenhove geht es nobel zu. Dort werden "royale" Jachten gebaut, Superschiffe aus teuersten Materialien für Superreiche. Tradition und Moderne ergänzen sich in diesem Land im Gezeitenstrom.

Text: NDR

Fotos: © NDR/Manfred Schulz

Produktion: MANFRED SCHULZ TV & Filmproduktion

Gefördert mit Mitteln der nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH

Siehe auch: LAND IM GEZEITENSTROM - VON FRIESLAND BIS ZEELAND