Projektstipendium Filmstart 05 - acht Projekte ausgewählt


nordmedia und das Filmbüro Bremen haben für Nachwuchsfilmprojekte und künstlerische Filme mit einem Förderbedarf zwischen 1.000 und 10.000 Euro gemeinsam das Projektstipendium Filmstart entwickelt und nun zum fünften Mal vergeben. In diesem Jahr standen 34.200 Euro zur Verfügung. 36 Projekte - davon 34 aus Bremen und 18 von Frauen - hatten sich beworben, darunter Dokumentarfilme, Spielfilme und Animationen, Projektentwicklung, Produktion, Vertrieb. 

Die Jury bestand aus Jan Eichberg (Autor, Bremen), Susanne Schüle (Kamerafrau, Filmemacherin, Professorin für Kamera Filmuniversität Potsdam, Berlin) und Karsten Krause (Filmemacher, Produzent Fünferfilm, Hamburg).

In der Jurysitzung am 25./26.April 2019 wurden aus den 36 Einreichungen acht Projekte zur Förderung ausgewählt; davon sechs dokumentarische, ein fiktionaler und ein nicht-kategorisierbarer Film. 

Die Projekte stellen Verbindungen her zwischen alten Schallplatten und Nazi-Science-Fiction-Filmen, zwischen Zwillingen und Lebendorganspende, zwischen Opa und Enkelin, zwischen Iranischen Frauenrechtlerinnen und Internet, zwischen Bild und Tanz und Budapest und 1997. Es wird recherchiert zu jungen Frauen in Eritrea, ein Kurzfilm entführt uns in eine dystopische Welt und die kürzlich verstorbene Bremer Performance-Künstlerin Martina Werner bekommt ein Filmportrait.

Die Stipendiaten haben ein Jahr Zeit, ihr Projekt zu realisieren. Die Abwicklung der Förderung erfolgt über das Filmbüro Bremen e.V.. Die Filme werden auf dem Fünften Filmfest Bremen (19.-22-09.2019) präsentiert.


Gefördert werden durch das Projektstipendium Filmstart 05:

Töchter der Revolution, Christine Vogelsang
Dokumentarfilm, 7.500 € Rechercheförderung
Im Sommer schliessen die Regierungen Äthiopiens und Eritreas nach jahrzehntelanger Feindschaft den von den Menschen in beiden Ländern ersehnten Frieden. Der Film begleitet den Beginn des Friedensprozesses aus der Perspektive der jungen eritreischen Frauen Helen, Fioni, Wasri und Halima und folgt ihren individuellen Lebenswegen in verschiedenen Regionen des Landes.

Passage, Justin Koch
Kurzspielfilm, 6.200 € Produktionsförderung
Etwas in der Welt ist geschehen. Zwei junge Frauen versuchen, die letzte Fähre zu erreichen, die sie in Sicherheit bringt. Zunächst müssen sie jedoch die Passage durchqueren, den scheinbar letzten sicheren Pfad durch die Wildnis der Welt.

Die Scherben, Jan van Hasselt
Crossmedia Mocumentary, 5.000 € Projektentwicklungsförderung
Zerbrochene Schallplatten aus der Zeit des Nationalsozialismus in einem mailänder Archiv scheinen mehr Informationen zu enthalten als Musik. Was ist auf diesen Platten? Das Projekt will dem in einem Ton-Bild-Vortrag und einem Dokumentaressay nachgehen.

Wir leben immer noch, Susanne Hensdiek
Dokumentarfilm, 5.000 € Produktionsförderung
Zwei Brüder, Christian und Matthias. Zwillinge. Eineiig. 48 Jahre alt. Der eine ist Schauspieler in Bremen, der andere Sachbearbeiter in Aschaffenburg. Als Kind ist der eine gesund und kräftig, der andere kränkelnd und schwach. Als sie 17 sind, wird im letzten Moment erkannt, dass Matthias nur eine Niere hat, die versagt und ihn über Jahre vergiftet hat. Christian spendet ihm seine. Ein Portrait über zwei sehr ähnliche und doch sehr unterschiedliche Brüder.

1997 Budapest, Rahel Pasztor
Dokumentarische Erinnerungsperformance, 4.500 € Produktionsförderung
Der Kurzfilm erkundet die Dualität zwischen skurriler Romantik und dem Realismus von vergänglichen Geschichten und Momenten. Diese Dualität wird von zwei Menschen aus zwei verschiedenen Kulturen erforscht, die in einer Parallelwelt in 1997 in Budapest lebten.

Mama isst den Tod - Portrait Martina Werner, Monika B. Beyer
Portraitfilm, 3.000 € Produktionsförderung
„Mama isst den Tod...“ ist ein Textauszug aus dem Werk „Monogramme“, 1965, von Martina Werner und kann gleichzeitig als Wegweiser durch ihr - sich seit dem verdichtendes und raumgreifendes Gesamtkunstwerk stehen. Dieser Portaitfilm führt ein in den Kosmos eines Lebenskunstwerkes, in deren Mittelpunkt eine leidenschaftliche Künstlerin steht, welche in ihrer Zeit ungebahnte und ungewöhnliche Wege geht und wenig später als ‚Leuchtturm‘ für die damals jüngere KünstlerInnengeneration steht. Martina Werner war Journalistin, Lyrikerin, Archäologin, Malerin und Performerin.

Der alte Mann und der Fluss, Lavinja Jäkel
Dokumentarfilm, 2.000 € Produktionsförderung
Der 95-jährige Bernhard verbringt seine Sommertage im Kanu, nachts campt er am Flussufer. Nun kommt ihm sein Alter in die Quere - dieses Jahr möchte Bernhard einen letzten Sommer auf dem Wasser verbringen. Enkelin und Filmemacherin Lavinja kehrt zurück in ihre Heimat Bremen-Nord, um ihren Großvater in einem Sommer zwischen Campingidylle und Altenheim-Besichtigung zu begleiten.

The Girls of Enghelab Street, Mohsen Azizi
Dokumentarfilm, 1.000 € Postproduktionsförderung
Viele Frauen im Iran beginnen, für die weibliche Freiheit und Gleichheit zu kämpfen. Die Frauen haben vor einigen Jahren auf Instagram eine gemeinsame Website eröffnet und teilen miteinander und für die Öffentlichkeit ihre negativen Erfahrungen. Sie legen ihr Kopftuch auf offener Strasse ab und filmen die Reaktionen.