"Borstenviecher - Vom Glück, Schwein zu haben"

Reportage von Franziska Voigt

Sendetermin: Mo, 29.01.2018, 15.00 Uhr,  NDR-Fernsehen

In Niedersachsen gibt es fast neun Millionen Hausschweine, das sind mehr als in jedem anderen Bundesland. Und trotzdem bekommen die wenigsten der etwa acht Millionen Einwohner Niedersachsens je ein lebendes Hausschwein zu Gesicht. Die meisten Schweine führen ein sehr kurzes Leben im Verborgenen in einem durchorganisierten Mastbetrieb. Es gibt aber nicht nur die hochgezüchteten Hybridschweine. Seit dem Mittelalter haben sich Hunderte Groß- und Minischweinerassen entwickelt. In Norddeutschland leben seltene alte Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu gehört z. B. das Husumer Protestschwein oder das Bunte Bentheimer Schwein aus der gleichnamigen Grafschaft Bentheim.

Auch in der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Abteilung für kleine Klauentiere, widmet man sich intensiv den Sus scrofa domestica (Hausschwein). Prof. Dr. Michael Wendt betreut tierische Patienten aus ganz Deutschland, weil Schweine für viele Veterinäre ein eher unbekanntes Terrain sind. Denn Schweine, auch Minischweine, sind offiziell Nutztiere. Sind sie krank oder verletzt, werden sie meist geschlachtet.

Das kommt für Schweinefreundin Silke Arnold niemals infrage. Ihre Mucker, eine Minischwein-Wollsau-Kreuzung, lahmt. Verdacht auf Kreuzbandriss. Die Spezialisten aus Hannover sollen helfen. Damit Mucker wieder schmerzfrei laufen kann, sind Silke Aufwand und Kosten für die Behandlung erst einmal egal.

In der Grafschaft Bentheim züchtet Lambertus Arends auf seinem Archehof die vom Aussterben bedrohten Wollschweine. Für seine Zuchtsau namens Susanne sucht er einen reinrassigen Eber und kauft schließlich den jungen, für seine Aufgabe allerdings noch unerfahrenen Lazlo. Schließlich wird Susanne trächtig und auf dem Arends-Hof wartet man gespannt auf den neuen Wollschweinnachwuchs.

Im Wisentgehege in Springe bekommen die Wildschweine im Frühjahr ihre Frischlinge. Tierpflegerin Katharina Renziehausen-Philipps hat ein besonderes Verhältnis zu den "jungen Wilden": Auf dem elterlichen Hof in Salzhemmendorf beherbergt ihre Familie seit Jahren zahme Wildschweine. Bache Willi und ihre Stallgenossen kamen als Flaschenkinder auf den Hof, weil sie ihre Mutter verloren hatten.

Die Säugetiere sind dem Menschen physiologisch sehr ähnlich und gelten als eines der intelligentesten Lebewesen. Schweine lernen schneller als Hunde und haben eine eigene Persönlichkeit, Charme und Witz. Für einige Menschen sind die "speckigen" Tiere tatsächlich wahre Glücksbringer.

Intensivkrankenschwester Sabine Duda sagt von sich selbst, dass sie ein "Schweinemensch" ist. In Ostfriesland beherbergt sie herrenlose und bedürftige Schweine, die praktisch Allesfresser sind, und versucht, diese weiter zu vermitteln. Viele Hobbyhalter sind mit der Haltung ihrer Minischweine schnell überfordert. Als ausgewachsenes Tier wiegen die "Minis" nämlich bis zu 100 Kilogramm. Für Sabine Duda und ihre Mitstreiter vom Verein Schweinefreunde e.V. kommt es zu einem Großeinsatz, als im Nachbardorf 30 vernachlässigte "Ringelschwanzträger" vom Hungertod bedroht sind. Aber es wird schwierig, für so viele Vierbeiner ein neues Zuhause zu finden.

Die "nordstory" erzählt von Menschen und ihren borstigen Glücksbringern. Eine Reportage über Persönlichkeiten, die sich mit Leidenschaft ihren Allesfressern widmen und mit ihnen spannende Geschichten erleben.

Produktion: AZ MEDIA TV GmbH

Weitere Sendetermine: Fr, 05.09.2014, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung); Mo, 10.10.2016, 14.45 Uhr, NDR-Fernsehen; Mi, 15.03.2017, 15.00 Uhr,  NDR-Fernsehen; Mo, 28.08.2017, 15.00 Uhr,  NDR-Fernsehen

Gefördert mit Mitteln der nordmedia  in Niedersachsen und Bremen.

Siehe auch: BORSTENVIECHER