Dokumentarfilm von Martin Baer
Sendetermine: So, 21.3.10, 14.45 Uhr, Phoenix; Mo, 2.8.04, 22.45 Uhr, ARTE (Erstausstrahlung)
Der Dokumentarfilm fragt nach den Folgen des deutschen Kolonialkrieges zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Südwestafrika und erkundet, wie sich die Beziehungen zwischen den Nachfahren der Kolonisten und Kolonialherren und den Nachfahren der Kolonisierten und Ausgebeuteten heute gestalten.
Die Geschichte des deutschen Kolonial-reiches dauerte nur 30 Jahre. Diese im europäischen Vergleich kurze Zeitspanne erweckt den Eindruck, dass die Kolonial-herrschaft nur eine unbedeutende Episode in der deutschen Geschichte gewesen sei. Dabei gehörte der Kolonialkrieg gegen die Herero zu den blutigsten und folgenreichsten Kriegen der Kolonisierung Afrikas.
Im September 2001 verklagte die Herero People Reparations Corporation einige deutsche Unternehmen und die deutsche Bundesregierung vor einem amerikanischen Gericht auf jeweils zwei Milliarden US-Dollar. Zum einen wegen der Besitztümer, die ihrem Volk gestohlen wurden, zum anderen für den Völkermord, den das deutsche Kaiserreich in seiner Kolonie Deutsch-Südwest nach der berüchtigten Schlacht am Waterberg von 1904 an den Herero begangen hat. Den Herero unter Führung des Paramount Chiefs Riruako geht es dabei nicht nur um Geld, sondern auch um eine Anerkennung ihrer kulturellen Identität.
Anlässlich des 100. Jahrestags des Kolonialkrieges in Südwestafrika werden die Ereignisse von damals heftig diskutiert. Handelte es sich um einen geplanten Völkermord, können die Herero Reparations-zahlungen fordern? Mit sieben Prozent Bevölkerungsanteil sind die Herero im heutigen Namibia eine verarmte Minderheit, die politisch wenig Einfluss hat. Auch 100 Jahre nach den Ereignissen befindet sich der größte Teil des einstigen Herero-Landes noch immer im Besitz deutschstämmiger Farmer. Obwohl die deutsche Kolonialzeit schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges beendet war und Namibia bis zu seiner Unabhängigkeit 1989 unter dem Mandat Südafrikas stand, sind die Deutschen in der ehemaligen Kolonie immer präsent geblieben und haben einen relativ großen Einfluss auf Politik und Wirtschaft des Landes behalten. Etwa 25.000 Deutschstämmige leben im heutigen Namibia. Sie bilden 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Filmemacher Martin Baer und sein Freund Israel Kaunatijke (Foto), ein in Berlin lebender Herero, sind gemeinsam auf den Spuren der kolonialen Vergangenheit und ihren Auswirkungen nach Namibia gereist. Sie möchten einerseits herausfinden, wie die Herero die Erinnerung an die Katastrophe ihrer Niederlage verarbeitet, überliefert und wachgehalten haben. Andererseits versuchen sie zu klären, welches Verhältnis die Deutschen inzwischen zu ihrer zunächst als Sieg gefeierten, dann als verbrecherisch verdammten Geschichte entwickelt haben. Dabei entdecken sie, dass ihre eigenen Familiengeschichten viel mehr mit dieser Vergangenheit verbunden sind, als sie bisher wussten.
Produktion: Hanfgarn & Ufer Filmproduktion, Berlin
Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen
Siehe auch: WEISSE GEISTER
15.02.2010
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