DIE CHINESISCHE KULTUR-REVOLUTION
Film von Winfried Scharlau und Shi Ming
Sendetermine: Mi, 14.12.10, 6.00 Uhr (Teil 1) + 6.45 Uhr (Teil 2), Phoenix; Do/Fr, 30.9.10/1.10.10, 00.45 Uhr, Phoenix (Teil 1); Do/Fr, 30.9.10/1.10.10, 1.30 Uhr, Phoenix (Teil 2); Mo, 8.11.10, 5.45 Uhr, Phoenix (Teil 1)); Mo, 8.11.10, 6.30 Uhr, Phoenix (Teil 2)
Um die Volksrepublik China gegen den „Revisionismus“ und die bürgerliche Restauration zu immunisieren, zündete Mao Zedong im Frühjahr 1966 die „Große Proletarische Kulturrevolution“. Ausgerichtet war sie besonders gegen die Intellektuellen, aber auch gegen Parteikader und Bürokraten. Das ganze Land, besonders aber die Städte, wurden in ein zerstörerisches Chaos gestürzt. Zehn Jahre lang, von 1966 bis zum Tode Maos im September und der Verhaftung der „Viererbande“ im Oktober 1976, dauerte die Kulturrevolution, die die gesellschaftlichen Fundamente Chinas erschütterte und die heiligsten Traditionen der chinesischen Zivilisation buchstäblich mit Füßen trat: den Respekt vor dem Alter, den Lehrern und den Eltern.
Ein revolutionärer Taifun zog über das Land, der die Gebildeten, die Intellektuellen, die Fachelite Chinas, am stärksten erfasste und dezimierte. Die Zahl der Opfer wird im Millionenbereich vermutet. In der Wahrnehmung des Westens ist das epochale Ereignis in China vom Krieg der USA in Vietnam weitgehend überschattet worden. Fast jede chinesische Familie in den großen Städten hat eine tragische Geschichte aus jener Zeit zu erzählen. Die Elite des Landes hat Verfolgung, Demütigung, psychische und physische Misshandlung erfahren, die unvergessen sind.
Die Kulturrevolution mit Aufmärschen von Millionen Roter Garden auf dem Platz des Himmlischen Friedens war auch ein Meisterstück der Masseninszenierung, alles übertreffend, was bislang in sozialistischen Ländern dargeboten war. „Maos letzte Schlacht“ endete in einer Niederlage. Die anti-revisionistische Rosskur, die er dem Land verordnete, bewirkte das Gegenteil von dem, was Mao erhofft hatte. Chaos und Rückschritt diskreditierten die Ultra-Linken und setzten Energien frei, die den Reformen Deng Xiao-pings zugute gekommen sind.
Die Kulturrevolution gilt heute als „schwerer linker Fehler“, den Mao Zedong zu verantworten hat. Weil aber die KP Chinas auf den Mythos des Großen Vorsitzenden nicht verzichten mag, wird die Kulturrevolution tabuisiert und der öffentlichen Diskussion entzogen. Auch für diese Dokumentation haben die Behörden in Peking die Drehgenehmigung verweigert. Chinesische Zeitzeugen, die allesamt im Ausland leben, berichten von ihren Erlebnissen: von Folter, Flucht oder von langjähriger Verbannung. Die amerikanische Sinologin Roxane Witke, die für eine Biografie lange Gespräche mit Jiang Qing, Maos dritter Frau, hat führen können, schildert ihre Eindrücke.
Der deutsche Journalist Joachim Bargmann hat als Korrespondent der Deutschen Presse Agentur die gesamten zehn Jahre in Peking erlebt und wurde Augenzeuge der Exzesse. Dr. Song Yongyi, der früher selbst als Rotgardist an den Ereignissen beteiligt war, lebt heute im Exil in Amerika. Er zieht eine Parallele zu den palästinensischen Selbstmord-attentätern: „ Wenn Mao uns aufgefordert hätte, amerikanische Einrichtungen in die Luft zu sprengen, hätten wir das auch getan.“
Weitere Sendetermine: Mi, 15.10.03, 23.00 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstaustrahlung, Teil 1) ; Mi, 22.10.03, 23.00 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstaustrahlung, Teil 2); Sa, 17.1.04, 20.15 Uhr, Phoenix (Teil 1); Sa, 24.1.04, 14.00 Uhr, Phoenix (Teil 1); Sa, 24.1.04, 20.15 Uhr, Phoenix (Teil 2); Mo, 31.5.04, 17.45 Uhr, Phoenix (Teil 1); Mo, 31.5.04, 18.30 Uhr, Phoenix (Teil 2); Mo/Di, 31.5./1.6.04, 2.00 Uhr, Phoenix(Teil 1); Mo/Di, 31.5./1.6.04, 2.45 Uhr,Phoenix (Teil 2); Di, 1.11.05, 7.30 Uhr, 3sat (Teil 1); Di, 1.11.05, 8.15 Uhr, 3sat (Teil 2); Mi, 24.10.07, 15.45 Uhr, 3sat (Teil 1); Mi, 31.10.07, 15.45 Uhr, 3sat (Teil 2)
Produktion: Christian Berg TV & Media GmbH, Bremen
Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.
Fotos: © NDR/Archiv Moskau/CBTVM
Siehe auch: MAOS LETZTE SCHLACHT
15.11.2010
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