
Ernst Reuter im Porträt
Film von Yuri Winterberg und Jan Peter
Sendetermine: Sa, 16.7.11, 11.30 Uhr, NDR-Fernsehen; Mo, 22.8.11, 11.00 Uhr, Phoenix
Als er starb, folgte eine Million Menschen seinem Sarg. Während der Berlin-Blockade hielt er die berühmteste Rede der Nachkriegszeit und gilt als Retter des freien Berlins. Heute ist das fast vergessen. Ernst Reuter führte ein atemberaubendes Leben: Sozialdemokrat im Kaiserreich, Kriegsgefangener in Russland, Volkskommissar der Wolgadeutschen, Generalsekretär der KPD, sozialdemokratischer Stadtrat von Berlin, Verkehrsplaner, Oberbürgermeister von Magdeburg, Verfolgter der Nazis, Emigrant in der Türkei, Oberbürgermeister von Berlin.

Ernst Reuter im Familienkreise in Leer vor dem Ersten Weltkrieg
Auf dem Höhepunkt der Berlin-Blockade, am 9. September 1948, appellierte Ernst Reuter vor mehr als 300.000 Berlinern an die Völker der Welt, die Stadt nicht preiszugeben. Nach seinem kämpferischen Engagement entschieden die Westalliierten, ihre Berliner Sektoren vor dem Zugriff der Sowjets zu schützen. Reuter wurde als Retter des freien Berlin gefeiert. Amerikanische Präsidenten haben sich auf ihn bezogen.

David Barclay ist Historiker und Reuter-Forscher.
Ernst Reuter war ein entschiedener Verteidiger der jungen Demokratie im Nachkriegsdeutschland. Er hat Geschichte geschrieben, war im Ausland zunächst bekannter als Konrad Adenauer. Und dennoch ist dieser Mann heute fast vergessen, der Spross einer bürgerlich-preußischen Familie, Sozialdemokrat und Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg, bolschewistischer Kommissar im revolutionären Russland. Zurück in Deutschland wurde er Generalsekretär der KPD, die ihn später ausschloss. Reuter machte sich ab 1926 als sozialdemokratischer Verkehrs- und Stadtplaner von Groß-Berlin und Oberbürgermeister von Magdeburg einen Namen.

Ernst Reuter im türkischen Exil
Nach Hitlers „Machtergreifung" KZ-Haft, 1935 Emigration nach London und weiter in die Türkei, wo er die moderne türkische Stadt- und Verkehrsplanung begründete und an der Hochschule lehrte. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde nach der Berlin-Blockade erster Oberbürgermeister von Westberlin. Nach seinem Tod 1953 geben ihm mehr als eine Million Menschen das letzte Geleit - ein einzigartiges Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Edzard Reuter, der Sohn von Ernst Reuter
Die Dokumentation folgt Reuters Lebensstationen und zeigt die widersprüchlichen und schillernden Facetten eines Getriebenen, ein zerrissenes Leben voller Höhen und Tiefen, voller Erfolge und Irrwege. In einer filmischen Spurensuche in Deutschland und Russland werden bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen erstmals dem Publikum zugänglich gemacht und mit Neuinszenierungen dramaturgisch und visuell verstärkt. Zeitzeugen wie Helmut Schmidt, für den Reuter ein wichtiges politisches Vorbild ist, oder Egon Bahr kommentieren sein Wirken. Ernst Reuters Sohn Edzard führt zu den Originalschauplätzen und erzählt aus dem Leben seines Vaters.
Text: ARD
Fotos: © NDR/Landesarchiv Berlin + © NDR/Provobis/Ingolf Rech
Produktion:
PROVOBIS Filmproduktion GmbH
Weitere Sendetermine: Mi, 26.5.10, 23.15 Uhr, ARD (Erstausstrahlung); Do, 7.10.10, 23.15 Uhr, NDR-Fernsehen
Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.
Siehe auch: ERNST REUTER
24.08.2011
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