
Goldschmelze - für 20 Gramm Feingold müssen hier 20 Tonnen Gestein abgebaut werden.
Film von Hartmut Jahn und Armin Fausten
Redaktion: Michael Krey
Sendetermin: Mo, 11.10.10, 15.15 Uhr, NDR-Fernsehen
In den heiligen Jagdgründen der Schoschonen-Indianer im Hochland Nevadas lagert eines der größten Goldvorkommen Nordamerikas. Die Gier nach Gold macht vor den Bergen nicht halt: mit modernster Technologie bauen die Industriekonzerne ganze Berge ab. Die Indianer werden ein zweites Mal vertrieben, diesmal aus ihrem Reservat.
Gold - nach dem funkelnden Edelmetall schürften schon die ersten Siedler auf dem Weg nach Westen. Das Provinznest Elko wird zum Goldmekka Nordnevadas. Mit dem Revolver werden die Claims abgesteckt und verteidigt, hier regiert der Wilde Westen. 1863, mit dem Abkommen von Ruby Valley, luchsen die Goldgräber den Indianern die Genehmigung für den Abbau von Bodenschätzen ab. Damals kassierte die US-Regierung von den Indianern 9 Millionen Hektar Land. Die Schoschonen machen geltend, dass sie lediglich Nutzungsrechte einräumten. Und sie sind entsetzt über den hochgiftigen Einsatz von Zyanid sowie die Lagerung von Atommüll auf ihrem Gebiet.

Mary und Carrie Dann - die Schwester verteidigen die Werte der Schoschonen und kämpfen gegen den Raubbau durch die Goldindustrie.
Eine milliardenschwere Industrie folgt dem Lockruf des Goldes – und beruft sich auf das besagte Abkommen von Ruby Valley. Die großen Goldfirmen haben ihren Claim schon abgesteckt: 2 Millionen Hektar sind bereits unter ihrer Kontrolle, ein Landstrich drei mal so groß wie Luxemburg. Der Carlin Trend im nördlichen Nevada ist die größte Goldmine der westlichen Hemisphäre.
Die Goldgräber von heute sind Ingenieure und Geologen. Wir begleiten den Explorations-Geologen bei der Arbeit. Die Ruby Mountains sind jahrtausende alter indianischer Lebensraum. Die Folgen des Bergbaus bedrohen das fast unberührte Land, das Indianer-Reservat der Schoschonen. Sie stehen vor ihrer zweiten Vertreibung.
Die Ranch von Mary und Carrie Dann, einer Großfamilie der West-Schoschonen mit ruhmreicher Stammestradition. Hier in Crescent Valley, mitten ins Herz des Indianer-Reservats wird eine neue Mine geplant, die 10 Quadratkilometer Land schlucken soll. Die Schwestern werden bedrängt, ihr Land zu einem Spottpreis zu verkaufen. Aber die Danns sind entschlossen zu bleiben. Seit Jahrzehnten wehren sie sich gegen den weiteren Abbau des Erzes. Mary und Carrie Dann wurden 1993 für ihren Kampf um Landrechte und gegen die Atomtests in Nevada mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet, auch bekannt als "Alternativer Nobelpreis".

Raymond Yowell, Häuptling der West Schoschonen, wehrt sich gegen eine zweite Vertreibung der Indianer aus den Reservaten.
Chris Sawell ist Biologe. Er untersucht die Gegend nach industrieller Verschmutzung. Ihm geht es dabei auch um sein eigenes amerikanisches Selbstverständnis. Seine Vorfahren waren echte Boatpeople. Sie kamen 1634 aus England und Schottland nach Massachusetts. Er fühlt sich verpflichtet, den Ureinwohnern gegenüber fair zu sein. „Sie waren großzügig genug, dieses Land mit uns zu teilen. Mindestens genauso sollten wir uns jetzt ihnen gegenüber verhalten.“
Raymond Yowell, gewählter Häuptling der West Schoschonen, lebt auf seiner angestammten Farm. Für ihn stehen die Werte der indianischen Tradition auf dem Spiel. „Wir sind skeptisch gegenüber dem Verhalten der Menschen in der heutigen Zeit. Sie glauben sich mit Geld alles kaufen zu können, vergessen dabei aber die Achtung vor Mutter Erde.“ Seine kleine Landwirtschaft mit dem bescheidenen Maschinenpark ist eines der Sandkörner im gewaltigen Getriebe der Goldwirtschaft. Er lebt mit den jahrtausende alten Überlieferungen und Überzeugungen seiner Tradition. Er hat den starken Glauben an die Einheit alles Lebenden mit der Natur."Sogobe - das bedeutet: Wir respektieren Mutter Erde. Alles Leben kommt von ihr. Auch das Wasser, ohne das der Mensch nicht existieren kann. Es hält ihn am Leben, nicht nur ihn, sondern alle Lebewesen.“ Aus dieser Gewissheit seiner über Generationen überlieferten Tradition schöpft er seine Zähigkeit, seinen Mut und seine Hoffnung.
Der Unsinn des industriellen Goldbergbaus: Für nur 20 Gramm Feingold werden 20 Tonnen Gestein abgebaut. In den letzten vierzig Jahren sind hier eineinhalb Millionen Kilobarren reinstes Gold gewonnen worden. Eine Erdbewegung von unvorstellbaren Ausmaß: eintausendfünfhundert Millionen Tonnen Gestein.
Newmont, der größte Goldproduzent der Welt, hat seit Jahren keine Presse mehr zugelassen. Vom „Newmont-Bashing“ und Kiritk an ihrer Politik hatte die Firma genug. Wir sind die ersten, denen nach drei Jahren wieder ein erster Einblick in den industriellen Prozess ermöglicht wurde.
Produktion: Hartmut Jahn Filmproduktion in Zusammenarbeit mit PANTAFILM Hanover und Kick-Nord Hannover
Weitere Sendetermine: Sa/So, 25./26.12.04, 5.05 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung)
Fotos: © Hartmut Jahn
Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.
Siehe auch: DIE TIEFSTEN LÖCHER DER WELT
31.08.2010
Fernsehfilm von Johannes Fabrick Sendetermine: Mi, 8.2.12, 20.15 Uhr, ARD; So, 12.2.12, 12.20 Uhr, EinsFestival; Do, 16.2.12, 6.15 Uhr, EinsFestival Nach ihrer ... mehr »
Dokumentationsreihe von Rolf Seelmann-Eggebert Sendetermine: Do, 9.2.12, 20.15 Uhr, NDR-Fernsehen (Erstausstrahlung), Fr, 10.2.12, 15.15 Uhr, NDR-Fernsehen Auch Könige reisen im Urlaub. ... mehr »
Kurzfilm von Franz Winzentsen Sendetermine: Do, 22.12.11, 16.35 Uhr, ARTE; Do, 9.2.12, 12.30 Uhr, ARTE Neues von den Bremer Stadtmusikanten: woher sie kamen, ... mehr »