„Ich will nie ein Ende – ich will immer, dass es weitergeht“, antwortete Hanna Schygulla auf die Frage einer jungen Französin nach dem offenen Ende des Films AUF DER ANDEREN SEITE.
Dass es immer weitergehen möge - dieser Wunsch sprach auch den Gästen aus Braunschweig und Hannover, die bereits zum achten Mal norddeutsche Filme vom 10. bis 14. März auf dem 23. Festival du Cinéma Nordique in Rouen präsentierten, aus dem Herzen. Sie dachten dabei an das filmbegeisterte, diskussionsfreudige und aufgeschlossene Publikum und an die Gastfreundschaft, die ihnen einmal mehr von den Mitarbeitern der regionalen Filmförderung, dem Pôle Image Haute-Normandie, entgegengebracht wurde.
Zusammen mit dem NDR-Journalisten Norbert Bourgeon und dem Leiter des Kulturarchivs der FH Hannover, Dr. Peter Stettner, reisten die Festivalmacher Volker Kufahl, Florence Houdin und Marit Vahjen (Internationales filmfest Braunschweig) sowie Projektleiter Johannes Wilts und seine Kollegin Kristina Bonas vom Schulkinoprojekt Kinema an die Seine. Die von nordmedia und dem Pôle Image unterstützten Projektpartner präsentierten dem Festivalpublikum unter dem Titel „Foto – Kino“ die beiden nordmedia-geförderten Produktionen SOUL KITCHEN und AUF DER ANDEREN SEITE von Fatih Akin, ein Archivprogramm aus Hannover sowie die Ausstellung „J’ai perdu ma tête“ mit Fotografien des Künstlers Peter Granser, der zur Vernissage ebenfalls nach Rouen kam.
Ein Höhepunkt gleich am ersten Tag: Aus Paris reiste die gerade in Berlin mit dem Goldenen Bären für ihr Lebenswerk ausgezeichnete Actrice Hanna Schygulla an. Im Rahmen des von der EU geförderten Kinema-Schulkinoprojektes diskutierte sie mit 6 Schulklassen und Studierenden – über 100 jungen Franzosen – zwei Stunden lang in perfektem Französisch über ihre Rolle in Fatih Akins vielfach ausgezeichnetem Film AUF DER ANDEREN SEITE. Im großen Sitzungssaal des Regionsparlamentes beantwortete die charismatische Schauspielerin nicht nur Fragen, sondern animierte die Schüler ihrerseits, sich zur Handlung und zu den Figuren des Films zu äußern: mit welchen Figuren und mit welchen Lebensentwürfen sie sich beispielsweise hätten identifizieren können.
Von Fatih Akin sei sie sehr beeindruckt gewesen, erzählte Frau Schygulla, er habe sie an den jungen Fassbinder erinnert. Er sei wie viele seiner Protagonisten ein Grenzgänger zwischen den Kulturen – von ihm stamme der hübsche Satz: "Wenn Hamburg meine Mutter ist, ist Istanbul meine Geliebte" ... „Nur aus der Hefe der unterschiedlichen Kulturen entsteht der europäische Kuchen“, so Schygulla.
Bei den Dreharbeiten war für sie die „Trauerszene“ im Hotelzimmer am intensivsten, da diese sie körperlich und psychisch am meisten mitgenommen habe. Ungewöhnlich sei der sparsame Umgang des Kameramanns mit Licht gewesen, da die Ausleuchtung der Schauspieler entscheidend für die Wahrnehmung und den Erfolg beim Publikum sei. Nach dem Kinostart des Films hätten sie die vielen persönlichen und spontanen Reaktionen – selbst auf der Straße in Paris – sehr beeindruckt. Sie halte AUF DER ANDEREN SEITE persönlich für einen sehr guten Film.
Davon konnten sich im Anschluss 125 Festivalbesucher überzeugen, die sich AUF DER ANDEREN SEITE im Festivalkino Le Melville in der deutschen Originalfassung mit französischen Untertiteln ansahen. Noch erfolgreicher verlief die Aufführung von SOUL KITCHEN zwei Tage später – über 200 Besucher ließen sich von Fatih Akins neuem Film begeistern. „Musik ist Essen für die Seele, heißt es an einer Stelle des Films. Ich füge dem hinzu: auch Kino ist Essen für die Seele!“ begrüßte Braunschweigs Festivalleiter Volker Kufahl das Publikum.
Weitere Informationen:
www.poleimagehn.com
www.festival-cinema-nordique.asso.fr
www.filmfest-Braunschweig.de
www.kinema.fr
05.05.2011
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