
Ben Chessell und Klaus W. Eisenlohr (v.l.)
Im Jahr 2004 ging es in der Stipendienstätte Villa Minimo international zu. Von Januar bis Juni war dort der Australier Ben Chessell zu Gast und drehte seinen Kurzfilm A FAMILIAR LULLABY. Den Anschluss bildete Klaus W. Eisenlohr aus Berlin, der sich vorgenommen hatte, sein in Chicago entwickeltes Projekt „Urban Cities“ mit einem neuen künstlerischen Fokus in Hannover weiter zu entwickeln. Daraus entstand die filmische Studie STADTRANDZONE MITTE.
Am 21. November 2005 fand auf Einladung der Stiftung Kulturregion Hannover und der nordmedia GmbH die Hannover-Premiere der beiden Stipendiatenfilme statt.

Walter Kleine
Stiftungsvorstand Walter Kleine hob hervor, dass sich Hannover als Filmkulisse offensichtlich gut eignet: „Ob es die Messe mit dem EXPO-Gelände ist, oder das Steinhuder Meer, Wohnsiedlungen in Randgebieten, Straßen und Plätze und vieles mehr: Die Kurzfilmer, die bisher für ein jeweils halbes Jahr hier zu Gast waren, haben viele Seiten Hannover neu entdeckt und für ihr Projekt nutzen können. Die Bereitschaft der Hannoveraner bei diesen Low-Budget Projekten zu helfen und mitzuwirken ist durchweg groß. Ob es darum geht, einen Fuhrpark für die Zeit des Drehs zur Verfügung zu stellen, oder Wohnungen, Ladenlokale oder Firmenräume über Stunden für die Filmaufnahmen lahm zu legen, all dies war bisher möglich und wurde klaglos hingenommen.“

Jochen Coldewey
Jochen Coldewey, Leiter der Förderung bei der nordmedia Fonds GmbH, betonte in seinen Gruß-worten, dass der Kurzfilm als eine eigenständige Kunstform anzuerkennen ist und nicht – wie häufig angenommen – nur die Vorstufe junger Filmemacher zu späteren Langfilmen bildet. Gerade im Kurzfilm seien sehr differenzierte film-technische Spielarten zu realisieren, die eine eigene Ästhetik besitzen. Für das kommende Jahr kündigte Jochen Coldewey noch attraktivere Stipendienbedingungen an. Die künftigen Stipendiaten erhalten die Möglichkeit in der neuen HD-Technik zu drehen und bekommen dafür Filmequipment und einen Schnittplatz im Rahmen des Stipendiums zur Verfügung gestellt.
Zur anschließenden Präsentation der Stipendiatenfilme waren beide Filmemacher und ihre Teams anwesend. Aus Australien und aus München reiste das Filmteam um Ben Chessell und seine Münchener Produzentin Carmen Stozek an. Ihr gemeinsamer Film A FAMILIAR LULLABY beleuchtet vor dem Hintergrund einer tragischen Liebesgeschichte auch australisch-deutsche Kulturunterschiede:
Das australische Ehepaar Lally & Ben liegt nach einem Autounfall im Sterben. Lally kann den Tod überzeugen, sie für die Zeit, die ihr noch bleibt, in ihr Leben zurückreisen zu lassen. Sie will herausfinden, was in ihrer Beziehung zu Ben schief ging. Sie will es reparieren. Ben & Lally rasen durch ihr gemein-sames Leben, diesmal allerdings in Deutschland. Und wieder geschehen die gleichen Dinge, gibt es die gleichen Probleme. Doch gemeinsam stellen sie fest, dass gute wie schlechte Momente eine Lebenszeit ausmachen. Lally findet ihren Frieden. Sie und Ben sterben Hand in Hand. Am Ende spürt man, dass man Zeuge von den letzten Minuten eines menschlichen Lebens war, das wie ein Film an einem vorbei rast. (9min, Digi Beta)
Der Künstler und Filmemacher Klaus W. Eisenlohr nutzte seine Stipendienzeit in Hannover für eine sehr intensive Studie öffentlicher Plätze. "Was ist öffentlicher Raum heute?" Diese Frage stellte er an den Beginn seiner Recherche über Hannover. Der entstandene Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Bilderreise durch öffentliche Plätze im größeren Stadtgebiet der Landeshauptstadt.
Mit filmischen Mitteln entstanden Portraits von Orten unterschiedlicher urbaner Qualität. Den Berliner Filmemacher interessierten jedoch nicht nur die sichtbaren Merk-male, sondern auch die Handlungen und Erzählungen, die öffentliche Räume erst entstehen lassen. Weiter ging er der Frage nach, durch welche Eingriffe/Interventionen öffentliche Orte aktiviert werden können. Künstlerische Handlungen, die Reaktionen herausfordern, Inszenierungen von Alltagsbegebenheiten mit Jugendlichen und Begegnungen mit Stadtplanern sind im Film den Stadtbildern gegenüber gestellt. Sie fügen sich zusammen zu einem filmischen Essay über alltägliche Orte einer exemplarischen Stadt der europäischen Moderne.
Klaus W. Eisenlohr lud zu dem Projekt Künstler aus Berlin, Stuttgart und Hannover ein, an unter-schiedlichen Plätzen Perfor-mances zu inszenieren. Weitere Szenen entstanden, indem er mit Jugendlichen aus Jugendeinrichtungen szenische Workshops durchführte. Außer von den Stipendiengebern wurde das Projekt unterstützt vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover. (40 min, 16mm)
10.12.2009
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